10.08.22 Bremerhaven nach Fettsiel

Gestern haben wir noch mal alle (wenigen) Möglichkeiten durchdacht, wohin es uns heute verschlagen könnte und wie wir die Kräfte der Natur weitensgehend für unser Fortkommen nutzen könnten, ohne ins Dunkel fahren zu müssen. Am Ende stand Wremen und ein Kurztörn über HW. Das war aber nur das vorläufige Ende der Gedanken. Denn mir fiel später noch ein, dass man um HW herum ja auch den Abkürzungstörn nach Fettsiel fahren könnte, vom Wattenhoch des Mittelpriels quer über das Watt Richtung Containerkaje. Nur eben andersrum: von Buhnentonne 37 quer rüber, auch über den Suezpriel, zum Mittelpriel. Wenn wir das Wattenhoch erst mal hinter uns haben, dann kommen wir auch locker nach Fettsiel rein. Wir sind zwei Tage vor Vollmond, da müsste es auch etwas höher auflaufen. Wir sind mutig und tasten uns mal rein ins Watt. So lange es noch aufläuft, kommen wir notfalls auch wieder frei. In der Fachliteratur im Netz bei wattenschipper.de habe ich noch eine genaue Beschreibung gefunden, die ausreichend Tiefe nahe HW bescheinigt. Das macht Mut!  So werden wir denn gegen 10.00 Uhr mal durch die Schleuse rutschen. Weitere Infos folgen später. Falls wir wider Erwarten doch festkommen, dann kommen wir spätestens Freitag bei Vollmond wieder frei, hi. Lebensmittel sind ausreichend an Bord- für alle Fälle.

Wie gesagt: der Weg ist das Ziel…. und das Erleben….

Bis später. Hier noch ein Foto von gestern Abend:

Bremerhaven bei nächtlichem Vollmond

 

Teil 2 des Logbuches für heute

Heute war Premiere! Und zwar mit einem Törn rund HW direkt übers Watt und nur teilweise und nach dem Wattenhoch entlang eines Prickenweges! Spart viele Stunden Fahrzeit. Andersherum bin ich da schon gefahren, allerdings mit nicht ganz so viel Tiefgang (65cm von Brise II= Neptun 20). Hier erst mal der Ausschnitt aus der Seekarte:

Und so ging’s praktisch: HW Brhv war heute um 12.15h. Um 09.45h sind wir in die Schleuse gefahren und waren um 10.00h durch. Flott. Dann ein ganz anderes Bild als gestern: statt Hackwellen und viel Strom und Wind stachen wir in eine Ententeich-See mit kaum Wind und wenig Strom. Wir fuhren gegen den letzten Flutstrom bis Buhnentonne 37 und bogen dann links ab aufs flache Watt, kreuzten den Suezpriel und stießen nach ca. 3,5sm auf das Wattenhoch des Mittelprieles, alles noch bei auflaufendem Wasser. Nie hatten wir weniger als 1,2m Wasser unter dem Kiel, meist deutlich mehr. HW hatten wir dann im tiefen Teil des Mittelprieles und ein wenig ablaufendes erstes Wasser lief uns dann vor der Hafeneinfahrt entgegen. So flott bin ich noch nie von Brhv nach Fettsiel gekommen! Sollte man sich merken. Hier ein Filmchen!

Und ein wenig gesegelt haben wir dann auch noch im letzten Teil, aber die Windstärke war doch eher etwas wenig, um gegen das erste ablaufende Wasser anzusegeln. Jetzt brist es inzwischen etwas mehr, aber immer noch nicht so viel wie gestern, als wir uns entschlossen, den Törn in Brhv zu unterbrechen. Eine gute Entscheidung.

Bei der Affenhitze haben wir erst mal eine Schwimm- und Badestunde im Hafen hier eingelegt. Ich will nicht gleich wieder jammern (siehe vorige Beiträge über Fettsiel!), aber inzwischen sind hier noch weniger Boote und noch mehr Wohnmobile zu finden. Inzwischen fühlt man sich als Bootsgast im Wohnmobilpark. Und das war mal einer der gefragtesten Bootshäfen ander Küste! Lang, lang ist’s hier, aber mit WoMos kann man wohl deutlich mehr verdienen als mit Bootsfahrern…

Jetzt gibt’s erst mal Linseneintopf, dann gehen mal in den Fischladen, um nach Granat zu fragen.

Ronald und Regine jedenfalls haben viele Dinge schon automatisiert, An- und Ablegen funktioniert einwandfrei und Schleusen haben ihren Schrecken verloren.

Und ich hab den Wasserpass geputzt, als ich eh im Wasser war…

Das war’s dann für heute. Und morgen? Vermutlich wieder quer rüber über den Hohen Weg und Zielhafen Horumersiel, von manchen auch Wangersiel genannt…

Teil 3 des Logs:

Wir haben einen schönen Nachmittag und Abend miteinander verbracht. Erst waren wir im Ortszentrum von Fettsiel (nicht zu verfehlen) und haben im wohl sortierten Fischladen einerseits Granat als auch Kartoffelsalat wie auch Bratheringe und andere Leckereien erstanden. Clou war ein Thermobecher der lokalen Fischereigesellschaft mit frischen Kaffee gefüllt für nur 3 Euro, den ich mir natürlich erstanden habe. Morgen wird er mit feinem Ostfriesentee mit einem Schuss Rum gefüllt werden.

Wir haben an Bord frische Krabben gepult und uns danach – wie jeden Abend – zu einer nautischen Runde getroffen – bei feinem Rotwein aus dem Kanister, im Nirobecher getrunken. Der heutige Törn wurde als optimal eingestuft und für morgen ein Törn quer übers Watt nach Horumersiel (Wangersiel) geplant. Für Freitag dann nach Harlesiel, um abends Bernd, den Co-Eigner der Robbe, aufzupicken. Schaumermal, ob das so klappen wird. Die Daten sprechen eher dafür.

Es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie die beiden absoluten Neulinge auf der „Robbe“ so schnell so viele Dinge bewältigen und ständig dazulernen! Segeln im Wattenmeer ist eben multidimensional für alle Sinne; das haben sie als erstes gelernt. Der Ostseesegler ahnt davon wenig…

Also, dann bis morgen, liebe treue Fangemeinde! Bleibt anständig und haltet die alten nautischen Sitten hoch! Wir sind hier zwar die einzigen, die (mit Glück) bei Sonnenuntergang die Nationale einholen und morgens wieder setzen, aber das ficht uns nicht an! Wie du mit deiner Flagge umgehst, so wichtig ist dir auch dein Land… denken wir. (Und ich erinnere mich mit Schanden und wache nachts mitunter schweißgebadet auf, weil ich im zarten Alter von 16 Jahren mal eine nasse Zündkerze eines Außenborders mangels Lappens mit der Nationale (der „Adenauer“) getrockenet und gesäubert habe…. O je…..)

Technischer Nachtrag:

Wir haben heute unseren Brauchwassertank abgepumpt und mit neuem Frischwasser gefüllt, weil das alte Wasser schrecklich schmeckte (Werner hat aus Versehen damit Tee gekocht….).  Dabei haben wir beide nicht bemerkt, dass der Tank leer war und die Pumpe trocken weiterlief. Als der Tank nachgefüllt war kam dann prompt kein Wasser aus dem Hahn. Wir wähnten die Pumpe als „gestorben“ wegen Trockenlaufs (Bemerkt? „wegen“ regiert den Genitiv!) und waren drauf und dran, sie auszubauen (was durchaus aufwändig ist). Bei einem letzten Versuch habe ich dann noch mal einen künstlichen Unterdruck am Wasserhahn erzeugt, was nach Wiederholung dazu führte, dass wieder Wasser angesaugt wurde und alles nun wieder funktioniert! Hosianna!!!

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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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