13.08.22 Harlesiel nach Spiekeroog

Unsere geplante Route

Der Tag begann verheißungsvoll – mit frischen Brötchen zum Frühstück. Bernd, der heute angereist ist, hat sie mitgebracht, ebenso den SD-Karten-USB-Adapter, mit dem ich die Fotos von den Fotoapparaten (man beachte den Plural!) auf den Laptop ziehen und von dort aus weiterverarbeiten kann, z.B. für dieses Logbuch. Dafür ging dann unser Treibstoff für Essen und heißen Tee zur Neige und wir besorgten in Carolinensiel noch mal eben zwei Flaschen Brennspiritus. Und Butter. Um 11.00h gehen wir durch die Schleuse. Rein- und rausschleusen zusammen 16 Euro. Nicht ganz billig. Dann den öden Damm für ca. 1km entlang bis wir ins freie Wattengebiet kommen. Mit jeder Minute läuft das Wasser weiter auf und wir rutschen über die Sandbänke. Dabei meiden wir tiefe Priele und Fahrwasser, weil da starker Flutstrom gegenan steht. Und wir meiden auch ein Robbenschutzgebiet. Mit etwas Trickserei kommt man da aber gut dran vorbei.

Es wird schon wieder richtig warm an Bord, und wenn ich denke, dass es weiter ab von der Küste noch viel wärmer wird, dann seufze ich stellvertretend für die, die darunter leiden müssen. Mein Bestmann Werner indes liebt diese Temperaturen, spricht nicht mal von Wärme, sondern eher von „pulloverfreiem Wetter“. Die letzte Nacht war es mir erstmals zu warm in der Koje, bis der frische Morgen kam. Wie heißt es doch so richtig im Choral: „All Morgen ist ganz frisch und neu…“

So, nun noch ein paar Fotos, bis es den zweiten Teil später aus Spiekeroog gibt!

Teil II: Ankunft auf Spiekeroog

Puuuhhhh…. ein langer Seufzer! Denn unsere Ankunft im Yachthafen Spiekeroog verlief erst sehr gut, weil wir nicht nur überhaupt einen Liegeplatz gefunden haben, sondern auch noch zwei direkt nebeneinander! Wie immer legten wir mit dem „Butt“ zuerst an und konnten dann denen von der „Robbe“ helfen. In diesem Fall musste aber der halbe Hafen helfen, denn bei starkem aufstegigem Wind war ihnen bei Manöver der Diesel verreckt und sprang- wie gestern in der Schleuse – nicht wieder an. Und der Wind drückte das Boot quer auf drei andere Boote und die Eigner sprangen hin und her und drückten und schoben und so konnte ein Schaden vermieden werden. Schließlich lag die „Robbe“ fest in der Box, als wir merkten, dass die Box auf „ROT“ stand. Also kommt der Eigner noch. Egal, erst mal mussten wir uns um den Diesel kümmern! Das ist inzwischen erledigt, wir haben Dieselfilter gewechselt und alles gut entlüftet und einige Minuten unter Rückwärtslast in der Box laufen lassen. So weit, so gut. Dann wollten wir eine Probefahrt mit einer Boxenverlegung in eine freie Box verbinden. Langer Rede kurzer Sinn: es klappte. Wieder halfen einige Hände, denn auflandiger Wind ist immer wenig hilfreich beim Bremsen. Erst mal scheint der Diesel wieder zu laufen, er bleibt überhaupt nur stehen, wenn über Neutral auf die andere Laufrichtung geschaltet wird. Im Notfall wird dann für die Rückfahrt „dreiviertel voraus“ eingestellt und erst im nächsten Hafen wieder geschaltet. Irgendwie wird es gehen. Sind ja auch Segelboote. Aber noch kommt der Wind aus Osten, falsche Richtung für Segeln bei der Rückfahrt.

Apropos Segeln: Heute hatten wir den Wind „von hinten“ und haben richtig Fahrt gemacht, quer übers Watt, mit manchmal nur 30cm unterm Kiel bei auflaufender Flut, gegen die Flut mit 4 kn den Prickenweg entlang und in den Spiekerooger Hafen. Es hat richtig Spaß gemacht! Alle sind begeistert und entflammt! Obwohl noch einige Boxen frei sind, sind die Steckdosen alle belegt. Kein Strom für uns! Aber Ronald hatte noch eine Verlängerungstrommel und einen Doppelstecker und wir haben uns miteinander verbunden für Strom. Das nennt man – im Amateurfunk – „Stromkopplung“…..

Jetzt fahren alle mal ihren Puls wieder etwas runter, ich muss das nicht, schreibe halt so lange ein wenig diesen Text und stopfe mir gleich eine Pfeife. Fotos kommen später, da muss ich noch etwas dran arbeiten und erst wollen wir mal in den Ort und ordentlich Kaffeetrinken – oder Tee.

Unterwegs begegnete wir Frank B., einem Vereinskameraden, der sich gerade auf dem Heimweg befand. Das Watt ist eben so groß auch nicht…

Wetter ist herrlich, der Wind 3-4 und damit ideal für schnelle Wattenfahrt. Wir haben unser Ziel erreicht (Spiekeroog) und ab morgen geht’s zurück. Mal schauen, in welchen Schritten und über welche Wege….

Abenteuerurlaub Teil II:

Nichts ist so schön wie ein Klönschnack mit dem Bootsnachbarn! Das empfindet Werner ebenso wie ich und auch Ronald, und die Klönschnacks mit den „Kameraden“ unterwegs sind ganz gewiss immer ein Hort neuer Kunde und Erfahrung sowie ein großes Stück Menschenkunde. Werner hatte sich so in diesen Klönschnack vertieft, zumal ihn der Nachbar von gegenüber, der uns seine Stromtrommel zur Verfügung stellte, scheinbar als Eigner des „Butt“ betrachtete, dass er das Wasser auf dem Kocher vergaß. Und der Wind blies munter von hinten durch die Kuchenbude bis zum Kocher und trieb die Flammen in ungeplante Richtungen. Ich saß vor in der dunklen Kajüte mit dem Laptop auf dem Schoß und versuchte mich am Logbuchschreiben. Da zog mir ein unangenehmer Brandgeruch in die Nasenhöhlen und wenig später ins Gehirn und ich fragte beim Tippen, ob denn beim Kocher irgendwas anbrennen würde?! Werner stürzte in die Küchenzeile und versuchte, den teilweise brennenden Spirituskocher zu löschen. Der war aber tierisch heiß und nicht anpackbar. Also Wasser in die Tasse und von oben in die Flamme gegossen. War ja kein brennendes Fett und der Erfolg stellte sich auch ein. Aber der Kocher war nicht mehr zu öffnen, um die Spirituspatronen herauszunehmen. Das gelang uns erst später nach Überwindung des Sicherungsmechanismus. Jetzt ist alles wieder gut, die Regler lassen sich wieder drehen, Caramba hat treue Dienste geleistet und Werner beginnt jetzt nach Sammlung von mindestens drei Säuberungchemikalien in der Bootsnachbarschaft mit der Reinigungsprozedur. Hinterher wird der Kocher aussehen wie neu – da bin ich sicher (und werde ein Foto posten zum Beweis!). Seine Lehre aus der Geschichte hat er auch schon gezogen: Heute sei nicht sein Tag, es ginge für ihn einfach nicht zusammen, einerseits in heftigen Klönschnack zu verfallen und andererseits den Kocher zu überwachen. Mag sein. Auf alle Fälle darf ein scharfer Durchzugswind nicht unterschätzt werden! Hier ein paar Fotos vom Kocherbrand und seinen Folgen:

Gleich darf Ronald noch mal in den Mast klettern. Er hat heute nicht darauf geachtet, das Ende seines Großfalls mit einem Achtknoten zu sichern. Beim Einholen der Segel ist ihm das Fall ausgerauscht. Jetzt muss er entweder die Dirk feierlich zum Großfall befördern oder aber oben am Masttop neu durchfädeln. Ich b bin gespannt, wofür er sich entscheidet…. Es ist halt immer was…. oder wie Dorit sagte: ein „Abenteuerurlaub“ eben.

Aber wir waren auch schön Kaffeetrinken im Dorf. Und ich habe versucht, allen zu erklären, warum Spiekeroog meine Lieblingsinsel ist. Manche habe es verstanden…

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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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