14.08.22 Spiekeroog nach Wangerooge

Dies gleich mal vorweg von Oberstudienrat Dr. Erwin Oberschlau: Wangerooge ist keine „ostfriesische“ Insel! Vielmehr eine oldenburgische. Der dort amtierende Pastor wird von Oldenburg bezahlt, alle anderen von Spiekeroog bis Borkum von Hannover. Und zweites hat die Insel hinten noch ein „e“ angehängt: Wangerooge. Damit hätten wir die beiden Unterschiede schon mal benannt, was nicht schaden kann, weil wir heute zu ihr aufbrechen werden.

Erstens, um Abschnitt 1 unseres Rückweges nach Bremen/Ritterhude zu starten und zweitens, weil wir Miteigner Bernd von der „Robbe“ dort absetzen wollen. Er fährt dann mit der Fähre nach Harlesiel zurück. Das gibt ihm ein zusätzliches Erlebnis und befreit den Rest von uns von der Vorstellung, den schrecklich langen Leitdamm noch zweimal auf und ab fahren zu müssen. Mit Segeln wird da nicht viel werden, denn der stramme Ostwind steht uns voll auf den Kopf, also von vorne. Und im Prickenweg zu kreuzen, dazu braucht es Boote wie Jollenkreuzer mit Besatzungen ohne Nerven und mit Durchhaltewillen und -kraft. Ganz so weit sind wir noch nicht…

So der Plan. Ansonsten ist heue der erste Tag unserer Reise, der nicht mit vollem Sonnenschein, dafür mit etwas mehr Wind beginnt. Es ist wolkig, dann und wann lugt die Sonne mal raus. Jetzt sitzen wir im Schlick fest – das Foto zeigt unseren Blick in Windrichtung aus dem Cockpit heraus. Es bläst uns also von hinten durch die Bude. Das wiederum kann auch hilfreich sein (nicht bei der Nutzung des Kochers -siehe gestern) beim Entlüften des Bettzeugs, das man dann einfach locker in der Kajüte auf hängt und die Luke öffnet. Es ist sehr ruhig im Hafen, als wüsste alle, dass eh niemand vor 1100h losfahren kann, weil kein Wasser da ist. Heute ganz früh, noch fast bei Dunkelheit, hat es einer gewagt mit dem letzten Wasser.

Blick aus dem Cockpit auf Schlammberge im Hafen von Spiekeroog. Früher war da weißer Sand…

Wir blicken jetzt auf seine Fräs-Spuren im Schlick. Er sollte später sein Kühlwasserfilter mal kontrollieren.

Also heute geht es ausnahmsweise mal nicht irgendwo quer rüber, sondern ganz klassisch auf dem Spiekerooger Wattenfahrwasser entlang. Das endet, wie fast alle Wattenfahrwasser, in einem starken S-Schlag im Seegat zwischen Spiekeroog und Langeoog, ganz dicht neben der legendären Buhne H, die uns in jungen Jahren fast zum Verhängnis wurde, als wir bei Sturm auf sie aufbrummten und dann erlebten, dass Wellen sich wie ein schneller Fahrstuhl anfühlen können, bei dem jemand die Trageseile durchtrennt hat (Dorit wird sich mit Schrecken erinnern). Aber „die Neuen“ sollen ja alles mal kennenlernen, eben auch die Randbereiche eines so gefährlichen Seegats. Zum Glück fahren wir ja nicht ganz durch – nach draußen auf See – wo die die Flachs („Barre“) des Gats liegen! Aber genau an diesen bewegten Stellen mit Brandung links und rechts tummeln sich Horden von Seehunden und schauen den kämpfenden Skippern mit einem Grinsen im Gesicht zu. Bist Du durch, dann bist Du auch schnell im Hafen. Wie Dorit und ich damals, Mitte der 70er, als wir mit dem Kleinstkielboot „Arche“ durch die Wasserhölle gingen. Wenn ich’s schaffe, dann kommt dazu gleich noch eine Törnskizze.

Die Notfallreaktionen haben wir aber alle schon theoretisch durchgespielt gestern Abend beim Routenplanen: Was ist, wenn der Dieselmotor wieder stehen bleibt und zwar ganz genau in der schmalen und stark strömenden Rinne, wo links und rechts Brandung steht und die Seehunde rumliegen? Klar, Rollfock raus und vor dem Wind ablaufen, also zurück -in ruhigere Gewässer. Dann ist das andere Boot da und kann Schlepptau übernehmen. Oder man wirft an ruhiger Stelle Anker und schaut erst mal nach dem Motor und bespricht, wie es weitergehen soll. Solche Planspiele sind wichtig. Und Seefunk! Denn bei Wind hört man schon auf 10m nichts mehr, wenn gebrüllt wird. Und Handynetz ist da nicht, jedenfalls nicht verlässlich, und das hört auch immer nur einer. Man merkt: wir nehmen die Sache ernst und nicht umsonst läuft diese Tour auch unter dem Obertitel „Betreutes Segeln“- ein Einstieg für Anfänger.

So, nachher schreibe ich dann, wie’s wirklich gelaufen ist oder ob wir vielleicht doch ganz woanders gelandet sein könnten….

Nein, wird sind tatsächlich ohne Zwischenfälle im Wangerooger Hafen gelandet. Und, weil wir so früh gestartet sind, haben wir auch noch Stegplätze gefunden. Strom ist auch geschaltet und Werner kocht bereits die Pellkartoffeln. Bernd von der „Robbe“ hat sich bereits verabschiedet, nimmt die Fähre nach Harlesiel, wo sein Auto steht. Der Arme muss morgen wieder arbeiten.

Wir haben also gut zwei Stunden gebraucht – unter Diesel. Erst bewölkt, jetzt mit vollem Sonnenschein. Das Wasser war schon hoch genug, dass wir auf dem Wattenhoch nicht mehr festgekommen sind. Im Gatt „Harle“ lief uns ein harter Strom entgegen, weil aber wenig Wind war, war die Passage harmlos, trotzdem immer dicht an der Brandungsbank vorbei. Heute aber nur die ganz kleine „Brandung“, wie das halt bei Ostwind so ist.

(Gerade kommt Bernd zurück, weil er sich online ein Ticket für die Fähre buchen muss! Einfach hingehen und eines kaufen, das geht nicht! Also machen wir das jetzt mal eben. Hier geht’s anschließend weiter.)

So,  Bernd hat sein Ticket auf dem Handy und bei mir wird’s von Paypal abgebucht. So hätte Oma sich das nicht vorgestellt. Aber wenn man’s weiß, dann geht’s prima.

Jetzt stelle ich noch ein paar schöne Fotos rein von karibischen Sänden und dann sind die Pellkartoffeln fertig. Dazu gibt’s die gute Bierwurst aus der Dose von Lidl (für Dorit und Frau Günther zur Kenntnis). Ach ja,  Bekannte haben uns auch entdeckt: Peter aus meinen Seefunkkurs vor zwei Jahren und Daniel, unser Kassenwart vom Angelverein RASV. Beide sind auf eigenem Kiel hier unterwegs. Man sieht sich halt immer zweimal oder noch öfter…

 

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Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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