16.08.22 Wilhelmshaven bis Absersiel

So, nun liegen wir kurz hinter Tonne K12 in der Kaiserbalje vor Anker und warten auf die Flut. Eigentlich wollten wir hier ein bis zwei Stunden vor NW ankommen, Anker werfen und dann sehen, wie es ist, wenn ein Boot sich voll auf die Seite packt. Hat aber nicht ganz geklappt, weil der Weg weiter war, als ich berechnet hatte. Und dann fiel das Wasser nur noch um gut 30cm. Aber es reichte, um der „Robbe“ noch etwas Schlagseite zu verpassen.

Nautische Studien

Ronald, Regine und Werner sind durchs hüfthohe Wasser „an Land“ gewatet und haben die Sandbank erkundet. Da ich heute früh schon im Nassauhafen schwimmend meine Runden gezogen hatte, sparte ich mir das und habe fotografiert. Wir liegen hier ganz alleine, umringt von Vögeln und Seehunden. Einfach wunderbar. Ronalds Rollfock wollte nur noch teilweise raus, weil sich oben das Fall mitdrehte und ein volles Ausrollen verhinderte. Wir haben das Problem erst theoretisch und danach auch praktisch gelöst, wie sich das gehört. Damit die Anfänger auch lernen, von der Wirkung auf die mögliche Ursache zu schließen.  In diesem Fall lag eine doppelte Ursache vor: Erstens war das Fockfall nicht kräftig genug durchgesetzt und hatte oben Spiel, und zweitens war das Vorstag einfach viel zu locker, weil jemand die Unterwanten zu doll angeknallt hatte. Also Unterwanten lockern, Achterstag dichtsetzen und dann war auch das Vorstand wieder gespannt und die Rollfock tat auch wieder das Ihrige. Danach musste nur die Trommel neu eingerichtet werden, eine Logik-Aufgabe: Wenn man die Fock rauszieht, dann ist die Trommel anfangs bis auf zwei, drei Törns leer und füllt sich beim Ausrollen mit der Kontroll-Leine. Rollt man sie hingegen aus und die Trommel ist schon voll, dann läuft die Trommel fest und über. Und wieder geht nichts mehr. Ronald hat es verstanden, dreimal geflucht und dann alles richtig gewickelt. Panta rei – wie die alten Griechen sagten: Alles fließt und flutscht!

Jetzt vertreiben wir uns hier die Zeit. Zwei Stunden mindestens, bis das Wasser so hoch gestiegen ist, dass wir auch über das Wattenhoch kommen, ohne dreimal Anker werfen zu müssen (darum hat Werner nachdrücklich gebeten und der Wunsch möge ihm erfüllt sein).  Ich schreibe Logbuch, Werner studiert – wie üblich – seine heilige nautische Trinität unter besonderer Berücksichtigung der Ansteuerung von Helgoland (mir wäre es lieber, er würde die Neuwerk-Ansteuerung studieren) und kommt zu folgendem Ergebnis: Die Ansteuerung von Helgoland ist so leicht und in immer tiefen Wasser, dass deshalb wohl so viele dahin segeln. Die würden auf Prickenwegen eher scheitern. Mag sein. Ich will nicht nach Helgoland, wohl aber noch mal nach Neuwerk. Aber Werner hat keine Zeit mehr. Mal sehen, wer sonst vielleicht Lust und Zeit hat im Spätsommer. Ronald und Regine haben Kalender von 6cm Stärke und planen besser den Spätsommer 2023.

So, und nun noch ein paar schöne Fotos und irgenwann geht es weiter, über Kaiserbalje, Fedderwarder Priel, Mittelpriel und Abkürzung zum Containerterminal Bremerhaven, endend bei Buhnentonne 37. Dann durch den Ochsenhals und erst mal bis zum Yachthafen Großensiel. Falls dann noch Zeit ist reisen wir weiter und ankern in der Schweiburg für eine romantische Nacht unter Anker. Und morgen geht es dann weiter Richtung Bremen….

Nun haben wir es doch noch bis nach Absersiel geschafft! Ich darf von Glück sprechen, dass ich mit Werner einen „Meister der Pellkartoffel“ (Master of Peel Potatoe) an Bord habe.

Der „Meister der Pellkartoffel“ bei der Arbeit

Heute zaubert er Pellkartoffeln in die Linsensuppe und noch ordentlich Wurst dazu. So wird aus einer einfach Lidl-Dosensuppe ein High-Class-Menue.

Dann ruhen wir gewiss wie in Abrahams Schoß und morgen müssen wir früh raus aus dem Hafen, wenn wir noch rechtzeitig nach Bremen gelangen wollen. Die Flut liegt spät. Und wir legen uns deshalb in der Einfahrt der Schweiburg vor Anker. Dort bekommen wir bei NW das erste auflaufende Wasser zu packen und streben dann Richtung Heimat. Wenn also optimal läuft, dann schafft der „Butt“ sogar noch abends die Ritterhuder Schleuse vor Dienstschluss. Schaumermal…

Heute Abend dann noch umfassende Auswertung dieses „Betreutes-Segeln-Törns“, die aber, so viel sei vorab schon durchgesichert, recht positiv ausfallen wird. So viel gutes Wetter jedenfalls hatten wir noch nie bei einem Törn. Allerdings oft morgens auch wenig bis keinen Wind, immer aber aus der falschen Richtung. Aber nichts ist bekanntlich perfekt….

Morgen dann letzte Worte zu diesem Törn und ein letztes Foto….

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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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