17.08.22 Absersiel bis Ritterhude

Robbe folgt uns durch den Nebel

Der letzte Tag ist angebrochen, und das schon sehr früh! Wir haben gegen 0600h im Nebel des anbrechenden Tages die Boote aus dem Absersiel rausgefahren, um dort nicht hoch trocken zu liegen. Dann käme die Flut erst so spät zu uns, dass wir Ritterhude nicht mehr zu Schleusenzeiten erreichen würde. Also beim frühen HW raus und draußen, am Eingang der Schweiburg in Sichtweite des AKW Niederweser, hinterm Schutzdamm vor Anker gelegt! Die Fahrt war abenteuerlich, weil Sicht bei 20 Meter. Nach Plotter und Echolot gefahren. Jetzt liegen wir nebeneinander vor Anker, haben gefrühstückt und drei von uns vieren liegen schon wieder in der Koje. Der Nebel hebt sich jetzt, um 0800h, und die Sonne bricht hier und da schon durch. Herrliche Stimmung, viel Ruhe, nur ein wenig Plätschern zwischen unseren Booten, die miteinander vertäut sind.

Wir haben den elektronischen Ankerwächter eingeschaltet, der einen Höllenlärm veranstaltet, sollten wir den Schwoi-Radius von 30m überschreiten, also abtreiben. Wird aber nicht passieren, denn erstens greifen unsere Anker hier im Schlick vorbildlich und zweitens ist auch kein Sturm in Sicht, der an den Trossen zerren könnte. Drei schlafen also, der Vierte schreibt Logbuch. Danach wird er eine Morgenpfeife rauchen, ein paar Weintrauben speisen und sich dann ebenfalls noch mal in die Koje legen. Gegen 1300h wendet sich das Blatt, bzw. die Tide. Dann geht es weseraufwärts, der Heimat entgegen. In der Lesum wollen wir den Tank wieder mit GTL auffüllen (GTL ist gas to liquid, eine Art Dieseltreibstoff aus Erdgas. Viel zündfreudiger, weit weniger Abgase, keine Dieselpest möglich, allerdings auch etwas teurer). Bei 1 Liter/h kann man sich das bessere Produkt für Motor und Umwelt durchaus leisten, finden wir.

Während der Tour, besonders in den letzten Tagen, trudeln immer wieder Anmeldungen für meine nächsten SBF-Kurse per Mail und Whatsapp ein. Das geht dann auch bald wieder los. Es ist doch schön, wenn man dazu beitragen kann, anderen diese maritimen Erlebnisse auch möglich zu machen. So, jetzt ist die Sonne da, hat den Nebel aber noch nicht besiegt dicht überm Wasser. Auf der Weser würde ich jetzt nur mit aktivem AIS fahren, alles andere wäre mir zu gefährlich. Wir haben übrigens bei unserer Nebelfahrt eben festgestellt, dass das Dampferlicht nicht leuchtet. Da muss ich dann nachher mal mit dem Messgerät auf die Pirsch gehen, wo der Kupferwurm sich versteckt haben könnte.

So, noch ein paar Fotos und dann gönnt bitte dem Autor auch noch das eine oder andere Stündchen feinen Schlummers…

Ich melde mich garantiert wieder…. und ansonsten hoffe ich, dass Horst seinen PC wieder im Griff hat und nicht länger glauben muss, ich hätte am 14.8. mit dem Logbuchschreiben aufgehört, hi…..

So, letzter Teil vom Tag und vom Logbuch:

Das war eine beeindruckende Liegezeit vor Anker im Päckchen heute!  Das Erwachen der Natur, wie Gustav Mahler es musikalisch so packend in seiner 3. Sinfonie beschreibt, war auch in der Schweiburg zu spüren. Auch der Kampf der Sonne gegen den Nebel. Abwechselnd haben wir noch eine Weile die Kojen gehütet, obwohl auch ein elektronischer Wächter (App) über unseren Anker wachte. Bei mehr als 30m Radius hätte die App uns geweckt, ehe wir vielleicht ins Weserfahrwasser vertrieben wären. Interessant war auch zu beobachten, dass das Räumboot des Kernkraftwerkes Unterweser, das ja schon lange abgeschaltet ist und längst demontiert wird, immer noch mit einer Art Schlammharke den Wassereinlauf des AKW tief und schlickfrei hält. Warum? Egal. Kurz vor 1300h kippte dann die Tide und zogen die Anker aus dem Schlick und machten uns weseraufwärts auf den Heimweg. Kein Tropfen Regen, auch heute nicht, in der ganzen Zeit. Mein Dieseltank leerte sich langsam in Regionen, die ich so tief noch nie getestet hatte. Und es kam, vermutlich wegen des dort unten zuletzt verbliebenen alten Dieselkrafstoffes mit vielen Schwebeteilchen gelegentlich zu kleinen Leistungseinbrüchen, die sich aber immer wieder von alleine korrigierten. Also kein Grund zur Sorge im Prinzip. Als wir dann aber an der Lesum-Tankstelle den Tank mit frischen GTL (Gas To Liquid = Diesel aus Erdgas) vollgetankt hatten, war der Spuk schlagartig vorbei und der Motor lief sanft wie ein Kätzchen und ohne Fehl und Tadel. Springt auch schneller an. Ich werde also bei GTL bleiben, zumal dann auch kaum Schadstoffe hinten raus kommen. Die paar Cent mehr ist mir der edle Sprit wert – bei gut 1 Liter pro Stunde Verbrauch. Davon träumen andere…

Die Ritterhuder Schleuse passierten wir gegen 17 Uhr in zehn Minuten, alles war für uns vorbereitet. Die Netzwerke funktionieren eben.

Ronald und Regine mit ihrem Butt haben wir an der Lesummündung verabschiedet. Sie sind gleich nach Hasenbüren durchgefahren. Wie sie sagen hat ihnen die Tour richtig was gebracht. Die Köpfe schwirren und die Motivation wurde mächtig gestärkt. Was sie erlebt haben, das erleben andere in zehn Jahren oft nicht, die immer nur zu denselben Häfen (und Kneipen) hin und her fahren. Wer wagt es denn auch, mal quer übers Watt abzukürzen -ohne Jollenkreuzer und mit einem Meter Tiefgang? Alles eine Frage der Berechnung und wir hatten immer mehr als genug Wasser unter dem Kiel. Und es hat Meilen und Stunden gespart. Und man war ganz alleine unterwegs…inmitten des Weltnaturerbes Wattenmeer. Und in der Rubrik „Fotos“ werde ich die nächsten Tage, wenn sie bearbeitet und sortiert sind, noch etliche Foto versammeln. Einen Film werde ich auch zusammenstellen, dessen Youtube-Link dann dort auch verknüft werden wird. Jetzt erst mal ausschlafen in einer etwas weiteren und weicheren Koje…

Jetzt dreht die Waschmaschine ihre Touren und der Diesel hat Pause. Die Fock ist aufgerollt und das Großsegel bekommt morgen dann auch sein Überkleid. Mal sehen, wie und wann und mit wem wir diese Saison vielleicht noch mal in See stechen…

 

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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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