Di. 20.09.22 Elsfleth nach Fedderwardersiel

Nach entspannt-fröhlicher Abendrunde gestern haben wir alle mehr oder weniger prima geruht und sind nun auch schon mit der Frühstücksrunde durch. Der Abend endete mit einem schönen Feuerwerk als Finale zum Jahrmarkt hier. Klaus hat auch schon abgewaschen und wir verdödeln jetzt die Zeit bis ca. 10.15h, wenn wir ablegen können und die Tide uns gen Bremerhaven und dann weiter raus bis zum Mittelpriel zieht. Da wollen wir spätestens um 15.05h bei NW angekommen sein. Dann Anker werfen und drei Stunden warten, ehe es übers Wattenhoch flott gen Fettsiel weitergeht. Bernd wird die Zeit nutzen, um sein Gemüse zu verkochen. Wir sind gespannt.

Noch zieht ein hoffentlich vorletzter Regenschauer über Elsfleth hinweg und das Regenradar zeigt noch letzte Schauer an, ehe sich dann der Himmel für den Rest des Tages öffnen wird. Warten wir’s ab….

Teil 2 folgt in der Ankerphase, während Bernd das Gemüse zum Leuchten bringt! Mit Schmand, sagt er, wird es prima schmecken. Für seinen Teint hat Bernd schon beim Frühstück mit einem formidablen Gurkenbrot gesorgt. Wir sind neidisch…wir Marmelade-Esser, Müslifreunde und Wurst und Käse- Aspiranten….

Teil 2

Bernd kocht frisch!

Nun liegen wir im Sonnenschein im Mittelpriel und warten auf das Wasser. Bernd hat wunderbar gekocht, als wir im Päckchen vor Anker lagen und wir haben gemeinsam gespeist. Dabei haben wir nicht gemerkt, wie wir samt Anker langsam aufs Flache vertrieben wurden. Schnelles Ende eines wunderbaren Gemüse-Mahles:

Schiffe trennen und versuchen, wieder ins Tiefe zu kommen. Bei Dieter gelang es (kein Wunder bei weniger Tiefgang) und bei uns nicht. Aber das macht auch nichts: bis wir über das Wattenhoch kommen, dauert es eh noch reichlich Zeit und das Wasser muss reichlich dafür steigen. Dann greift unser Anker wieder, der mit beiden Schiffen in Wind und Strom wohl doch etwas überfordert war.

Klaus wäscht ab und ich schreibe Blog. Danach werden wir die Beine etwas hochlegen und die App „Ankerwache“ für uns aufpassen lassen. Dann Tee kochen und ein Pfeifchen rauchen und dann kann’s bald auch schon wieder weitergehen – Richtung Fedderwardersiel. Wir werden zu spät kommen, um noch Granat zu kaufen, aber morgen ist ja auch noch ein Tag! Ansonsten alles bestens, die Stimmung ist gut, und Ronald und Bernd stehen in engagiertem Austausch darüber, welcher neue Dieselmotor denn nun wohl der beste und teuerste ist. Meinen Rat habe ich abgegeben, aber damit bin ich auch raus. Manchmal zahlt man halt auch für einen bestimmten Namen, wie auch bei den Autos. Muss es unbedingt einer sein, der mit einem „V“ beginnt oder kann man ohne Verzicht auf Zuverlässigkeit nicht auch ein paar Tausender einsparen? Alles so fragen und ich meine: wohl dem, der die Freiheit hat, sich das aussuchen zu können! Ansonsonsten laufen hier im Watt, wo augenscheinlich vor Anker gerade ein Hauch von Netz vorhanden ist, allerlei Anmeldungen zum Seefunkkurs ein und ein Ausbildungskollege vom WVH hat mir mitgeteilt, dass sie unsere Ausbildungsarbeit mit Spenden für die DGzRS so toll finden, dass sie uns ihre aussortierte Trainingsjolle vom Typ Conger schenken wollen. Wow, das finden vor allem die etwas kräftigeren Gestalten toll, die sich bisher auf der Leichtgewichtsjolle Typ „Phantom“ mächtig zusammenreißen mussten, um nicht schon beim Einsteigen zu kentern und mit vielen blauen Flecken an Armen und Beinen das Training mutig hinter sich brachten. Eine gute Nachricht!

Und dann kam uns heute in Höhe von Brake das Seenotrettungsboot „Mervi“ aus Neustadt/Holstein entgegen, vermutlich auf dem Weg zur DGzRS-Werft in Bremen für die turnusmäßige Überholung. Ich habe sie auf Kanal 16 angerufen und ihnen als Kollege eine gute Fahrt gewünscht. Bei Bremen Rescue Radio haben sie das natürlich mitgehört und mein Ex-Segeltrainee Patrick, der da auch heute Dienst hat, hat mir gleich eine fröhliche WhatsApp-Nachricht dazu geschicht und mich von den diensthabenden Kollegen im MRCC (Maritime Rescue Coordination Center) gegrüßt.

Danach hatten die Funker von BRR lange zu tun mit einem (Mikrofonsende-) Tastenklemmer auf Kanal 16. Das ist übel, weil der Kanal dann in der Nähe des dauersendenden Klemmers nicht mehr als Notrufkanal zur Verfügung steht. Weser Traffic hat sich dem Kontrollruf dann auch unmittelbar angeschlossen. Hoffen wir das Beste…

So, und jetzt suche ich noch ein paar Fotos raus und stelle sie hier in den Text, damit niemand mit einer „Bleiwüste“ (so sagte man früher, als Gedrucktes noch im Bleisatz zusammengestellt wurde) leben muss. Ein gutes Bild sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte.

Bis morgen dann – oder vielleicht noch für einen Teil 3 heute Abend….

Teil 3

Teil 3 ist es wert, berichtet zu werden. Warum? Nun ja, Putin würde es „Umgruppierung“ nennen, wenn man feststellt, dass es nicht so läuft wie geplant. so auch bei uns gegen Abend. Denn die Flut kam viel langsamer als sonst. Es reicht einfach lange nicht, um über das Wattenhoch zu kommen. Wir haben Nipptide, wie sich herausstellte und das heißt: hohes NW und flaches HW. Da die Tage schon sehr kurz werden im September brachte es uns in die Bredouille. Dieter hat mit seiner Hanni deutlich weniger Tiefgang als wir und rutschte als erster über das Wattenhoch. Er hat aber kein Echolot und eine unzureichende Seekarte. Und vor Fettsiel haben sie gerade das Fahrwasser verlegt in diesem Jahr und nur mit ein paar dürftigen Pricken bezeichnet. Also rätselte er rum und fand schließlich doch – da noch halbwegs hell – die nötigen Pricken.

Sonnenuntergang hinter der Jade – wir fahren in die Dunkelheit hinein.

Bei „Butt“ war es schwieriger. Wir waren eine gute halbe bis dreiviertel Stunde hintendran. Sahen die Sonne untergehen. Wunderschön. Aber dann wurde es verdammt schnell dunkel! Und den Hafen erreichten wir erst bei völliger Dunkelheit – ohne Lichter zur Ansteuerung! Noch mal kurz aufgesetzt in der Einfahrt, dann aber rübergerutscht und neben der „Hanni“ festgemacht. Puuuh…. ein langer Seufzer….. das braucht man nicht jeden Tag. Auch ich als „Kommodore“ stand noch einmal vor einer neuen Herausforderung. Auch das kann ja nicht schaden….

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Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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