Do. 22.09.22 Fedderwardersiel nach Großensiel

Ahoi zusammen! Ich schreibe diese Zeilen in Nordenham-Großensiel, einem Sportboothafen mit mehreren Vereinen und vielen Anlegern. Wir legen immer gleich vorn, am ersten Anlegeer, beim WVBlexen an. Freihafenliegemöglichkeit, d.h. für uns koste.nlos, weil auch unser ESV dem Freihafenabkommen angeschlossen ist. Freihafenmitglieder liegen untereinander kostenfrei. Dieter hat sich gerade mal etwas hingelegt, Klaus und Bernd sind zu Fuß nach Nordenham, eine ziemliche Strecke. Sie wollen noch bei Aldi und Co. die Vorräte etwas ergänzen. Viel nicht mehr, denn morgen werden Dieter und Bernd ja schon zuhause sein.

Zunächst zum heutigen Törn, dessen erster und großer Teil ja nun schon hinter uns liegt:

Wir sind – wie üblich – sofort losgefahren in Fettsiel, als wir aufschwammen im Yachthafen. Dann knüppelt man noch eine Weile gegen die Tide den Fedderwarder Priel runter, bis man nach „rechts ab“ in den Mittelpriel einbiegen kann. Da läuft die Flut dann wieder mit. Ich war unentschieden, ob ich heute die große Abkürzung über das Watt wählen sollte oder besser nicht. Es sind nämlich 3-4 Dezimeter weniger Wasser auf dem Watt. Als ich auf dem Wattenhoch Mittelpriel 60cm und mehr unter dem Kiel hatte, habe ich es kurzentschlossen gewagt! Zu sehr nervt es mich, mit reichlich Drehzahl beim Diesel das letzten Stück des Prickenweges bis zur Tonne 43 und der Einmündung ins Weserfahrwasser gegenan zu bolzen! Es ist länger vom Weg und länger von der Zeit. Quer rüber spart man gewiss eine Stunde, und die braucht man, wenn man eben nicht nur bis Bremerhaven, sondern weiter bis Großensiel hinterm „Ochsenhals“ will! Also los! Anfangs, gleich nach Verlassen des Prickenweges in Richtung auf Buhnentonne 37 (Höhe Containerkaje Brhv) fiel die Tiefe auf kurzfristig 30cm – unterm Kiel. Da habe ich schon mal an Plan B gearbeitet. Dann aber wurde und blieb es tief. Im Schnitt so 1m unter Kiel. Also reichlich Wasser unterm Kiel. Und wir haben Buhne 37 auch flott erreicht. Auf dem Weg kam uns auch ein Motorboot entgegen und ein Krabbenkutter kreuzte fischend unseren Weg. Es trauen sich also auch noch andere quer übers Watt….

Seenotrettungsboot von Fedderwardersiel

Bis Stauwasser haben wir es auch nach Großensiel geschafft. Aber hier ist für heute noch nicht Ende. Rechtzeitig vor NW wollen wir spätnachmittags den Hafen wieder verlassen (so lange es noch geht – das Lot läuft durch!) und vorm Sandstrand nebenan ankern, bis NW erreicht ist. Dann ist auch Sonnenuntergang. Mit dem letzten Büchsenlicht dann noch 2-3 sm weiter bis zur Schweiburg. Dort werfen wir dann Anker für die Nacht.

Warum das? Nun, wir wollen morgen früh das erste auflaufende Wasser bekommen, um flott nach Bremen-Grohn zu kommen. Denn dort wartet ja noch die motordefekte „Robbe“ auf uns. Ich werde sie nach Hasenbüren zu ihrem Heimatanleger schleppen und dort kommt ein Motorenmann und wird versuchen, dem überheizten guten alten Bukh-Diesel wieder neues Leben einzuhauchen. In jedem Fall erst mal zu checken, was überhaupt nötig ist. Wir sind inzwischen alle der Meinung, dass der Motor noch lange nicht „tot“ ist forever, sondern nur eine kleine Schwäche gezeigt hat, weil ihm die Kühlung vorenthalten wurde. Vielleicht muss die Kopfdichtung erneuert werden? Man wird sehen. Vielleicht aber springt er auch an und tuckert selber bis Hasenbüren. Dann geben Klaus und ich Geleit und kehren dann nach Grohn in den Yachthafen zurück morgen mit der Ebbe. Dann Mast legen und winterfest an Bord verstauen und mit der Flut gen Ritterhude tuckern.

Also die „Robbe“ steht morgen im Zentrum aller Bemühungen und deshalb wollen wir möglichst früh los und dort sein. Ich möchte nicht dieRobbe gegen die Tide nach Hasenbüren schleppen…. etwas viel für die 16 kleinen Pferde im Bauch des „Butt“….

Mal sehen, vielleicht schiebe ich später noch Text und Bilder nach…. jetzt erst mal die Füße hochlegen….wird sind früh aufgestanden nach kalter Nacht…..

Teil 2: Vor Anker in Schweiburg bei AKW Unterweser

Wenige Sekunden nach diesem Schnappschuss vom schlafenden Bernd (er liebt zu kurze Bänke für solche Powernaps!) haben wir in Großensiel, sehr zum Erwachen und Erschrecken von Bernd, in Großensiel abgelegt und sind mit den letzten Zentimetern Wasser unterm Kiel gegen den Rest des ablaufenden Wassers noch bis in die Einfahrt der Schweiburg motort. Dort Anker geworfen. Dieter liebt das Fahren gegen den Strom und wäre gern noch bis Elsfleth weitermotort, aber ich bewege mich lieber mit den Kräften der Natur statt gegen sie und es hätte auch zeitlich morgen nichts gebracht. Jetzt liegen wir in aller Ruhe und Stille nebeneinander vertäut vor Anker – und bereiten Bratkartoffeln und Dosenfisch für alle vor! Bernd als Kochgenie, Dieter als Gaskochereigner, ich als Besitzer von passenden Gaskartuschen Klaus als erfahrender Campingkoch geben zusammen ein Dreamteam für Bratkartoffeln ab!

Wichtiger Hinweis- ehe ich es wieder vergesse:

Wir haben heute gleich zwei Seeadler in unmittelbarer Nähe beobachtet! Der eine saß auf einer Pricke am Fedderwarderpriel und der andere auf dem Unterfeuer Strohhauser Plate direkt neben uns! „Was ist das denn für eine dicke Möwe?!“ fragte Klaus im Priel und dann flog der Adler los. Wow, wirklich groß und eindrucksvoll, aber leider kein Fotoapparat zur Hand in dem Moment!  Es ist das erste Mal, dass ich Seeadler bei einem Törn beobachten konnte

So, jetzt wieder zum Bordbetrieb zurück: Wir haben natürlich einen Ankerschluck genommen, ausnahmsweise wegen besserer Dosiermöglichkeit nicht im Nirobecher, sondern im Glas. 54 Prozent haben Dieter beeindruckt, als er einen kräftigen Schluck vom Rum nahm!

Es ist einfach herrlich hier vor Anker! Ruhig und besinnlich, viel Natur und alles rund um ein AKW! Und was noch irrer ist: in der Schweiburg vertieft ein großes Baggerboot die Fahrrinne! Dass ich das noch erleben darf! Hoffentlich fährt er bis zum Südausgang durch, denn da ist es besonders dringlich!

So, die Köche rufen, es gibt gleich was zu Essen. Ich bin gespannt….

Morgen – so der Plan – bei NW gegen 0800h – wollen wir mit dem ersten Wasser der Flut Anker lichten und gen Grohn fahren. Dann wird die Robbe abgeschleppt nach Hasenbüren, ein interessantes Manöver an einem dichtgepackten Steg. Alles, was Fender hat, lobe den Herrn! Die müssen raushängen, was greifbar ist…. Mehr morgen dann…

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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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