Mo. 19.09.22 Ritterhude bis Elsfleth

So, diese ersten Sätze schreibe ich noch von zuhause aus.

Kommodore voller Zuversicht

Trinke noch einen Tee, nachdem ich Dorit zum Zug gebracht, die  Spülmaschine in Gang gesetzt und die restlichen Lebensmittel in den „Kofferraum“ des Großrollers gepackt habe. Noch eine Pfeife nach dem Frühstück, und dann geht’s zum ESV und damit zum „Butt“. Halb zehn treffen wir uns, der Wassertank muss noch gefüllt und der Mast gelegt werden. Anmeldung bei der Schleuse, damit wir um halb elf dann durchschleusen können. Dann fängt das Wasser auf der Lesum gerade wieder an abzulaufen. Und in Grohn wartet dann schon die „Robbe“ auf uns. Die hat es etwas leichter von Hasenbüren aus. Kein Mast zu legen oder zu stellen. Stellen müssen wir dann wieder in Grohn. Aber das dauert nur zwei bis drei Minuten. Und dann schaumermal, wie weit uns das ablaufende Wasser trägt. Und dann habe ich wieder Zeit zum Schreiben und um Photos zu bearbeiten. Bis nachher dann…

So, und jetzt ist „nachher“….

Ich grüße die Fangemeinde aus Elsfleth, Stadtanleger. Oben am Kai tobt das Volksfest mit Autoscooter und Fischbuden und was so alles dazu gehört. Wir haben uns gerade rundumgesättigt. Und nun sitzen wir 4(?) an Bord vom „Butt“, ich schreibe den Blog und wir alle trinken „Primitivo“. Wir haben jetzt allerlei Lebensmittel mehr an Bord als wir selbst gekauft und gepackt haben. Und der Grund dafür ist ein böser…. Aber erst mal von Anfang an:

Es begann heute früh schon damit, dass sich beim Ritterhuder Schleusentelefon niemand meldete. Irgendwann haben wir einfach abgelegt und sind zur Schleuse gefahren. Dort stellte sich heraus, dass das Schleusen-Handy nicht auf den Vertreter umgeschaltet worden war. Letzterer saß in der Schleusenzentrale und wartete auf Kundschaft. Zum Testen. Denn bis vor wenigen Minuten war die Schleuse noch defekt. Kein Wunder. Baujahr 1874. Aber normal gut in Schuss. Na ja, bei uns ging sie dann wieder, teilweise jedenfalls. Als das Einfahrtstor geschlossen war, ging das Ausfahrtstor nicht auf! Auch nicht schlecht: Urlaub in der Schleuse! – dachten wir. Aber nachdem der Oberschleuser Peter dem Hilfsschleuser Peter die richtige Sicherung im Schrank gezeigt und umgelegt hatte, ging dann auch das Tor wieder auf. Das Schönste dabei: Wir waren trotzdem noch im Zeitplan!

Als wir uns dem Grohner Yachthafen, unserem Treffpunkt mit der „Robbe“ näherten, versuchte ich mich am Funkgerät und hatte auch sofort die „Robbe“ dran. So weit alles klar, sehen uns in fünf Minuten. Zwei Minuten später ein „Dringlichkeitsruf“: „Achtung, Maschine ausgefallen, treiben steuerlos in der strömen den Lesum, hatten schon Kontakt zur Steinschüttung am Ufer!“  Dieter, der gegenüber gerade getankt hatte, legte sofort von der Tankstelle ab und stellte einen (kurze) Leinenverbindung zum Havaristen her. Langsam kamen sie vom Steinufer frei, der Dieselmotor aber startete nicht mehr. Er hatte seinen Geist ausgehaucht, und Bernd wusste auch sofort, warum: Der Motor war den Hitzetod gestorben. Bernd hatte vor dem Start vergessen, das Seeventil zu öffnen. Der Motor musste ohne Kühlwasser seinen Dienst tun und das schaffte er genau bis zur Lesummündung. Dann noch weißer Qualm und – Feierabend. Wir schleppen sie bis zur Winkler-Werft, wo ein bekannt guter Bootsmotorenfachbetrieb ansässig ist. Der Junior kam auch sofort und schaute sich die Sache an und kam zu einem vernichtendem Urteil: Totalschaden. Wasser im Motor (daher der weiße Qualm), Kopfdichtung durch, vermutlich Pleuel krumm und was in solchen Fällen alles kaputt zu gehen pflegt. Für „Robbe“ war die Fahrt also hier zuende, kaum dass sie begonnen hatte.

Wir tranken erst mal einen frisch gebrühten Kaffee aus Dieters Beständen und dann besprachen wir, wie es weitergehen könnte. Ergebnis: Johannes läuft nach Hause (er wohnt nicht weit von der Werft) und Bernd fährt mit uns weiter. „Robbe“ bleibt am Werftsteg liegen. Wohin auch schleppen und wozu? Wie es weitergeht werden die Eigner noch mit dem Werftchef zu besprechen haben. Aber Bootsmotoren scheinen knapp zu sein. Vor März keine Chance – hörte ich aus der Ferne.

Wir nutzten die restliche Tide, um gegen scharfen Wind und welliges Wasser bis Elsfleth zu fahren. Da die Schleuse zum Vereinshafen nicht über NW schleust, weil sich eine Sandbank vor der Schleuse aufgebaut hat, sind wir zum Stadtanleger getuckert, wo wir auch noch Plätze fanden.

Das Wetter war heute stark gemischt, wenn es regnete, dann „richtig“. Aber es war auch viel Sonnenschein. Um 15.30h kamen wir in Elsfleth an.

Morgen sind wir dann wieder im Plan, nur dass wir Törn 2 nicht von Großensiel, sondern von Elsfleth aus starten. Wir müssen halt zwei bis drei Stunden früher los. NW im Mittelpriel bleibt um 15.02h und spätestens dann müssen wir dort sein. Dann ankern und warten, warten, warten, dann geht’s weiter nach Fettsiel.

So, und jetzt kümmere ich mich mal um ein paar Fotos, die ich hier noch platzieren kann. Ansonsten noch ein Glas Primitivo und eine Pfeife, und dabei einen ordentlichen Küstenklönschnak und dann hoffentlich eine ruhige Nacht. Wie immer an diesem Anleger müssen wir eine Laterne raushängen, damit uns nachts die Binnenschiffe nicht rammen….

Veröffentlicht am
Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.