Tag 10 Friesland 2022 (10.6.) Zoutkamp nach Dokkum

Moin erst mal! Die Daten vorweg: Ausgelaufen Zoutkamp 1100h, festgemacht Dokkum unterhalb einer der beiden Mühlen um 1400h.

Stromkasten stand da auch, freies WLAN bietet die Stadt Dokkum an und schon sind wir, trotz wenig sonnigen Wetters gleich wieder bester Laune! Dorit kocht uns was Schönes und nachmittags werden wir durch Dokkum schlendern, ein hübsches altes Städtchen.

Morgens haben wir im Yachthafen Hunzegat erst mal Diesel getankt. Ich war ganz gespannt darauf, wie viele Liter es werden würden, denn ich hatte bei Abfahrt in Ritterhude den Tank randvoll gemacht. Seitdem sind wir knapp 30 Motorstunden gefahren (das zählt der Motor immer mit, bzw. seine Elektrik). Und getankt haben wir knapp 30 Liter, was einen Verbrauch von durchschnittlich 1 Liter pro Stunde bedeutet. Womit ich immer (nach groben Schätzungen) geprahlt habe, ist jetzt rechnerisch nachgewiesen – und steht auch so im Manual zum Motor. Damit kann man auch in Zeiten höchster Spritpreise gut leben, zumal der nette Hafenmeister auch noch einen netten Dieselpreis gemacht hat:

Wettsegeln im Lauwersmeer mit einem Plattbodenschiff

„In Friesland sind die 30-40 Cent höher als hier bei mir!“ – sagte er freundlich lachend. Und nur 500m hinter seinem Yachthafen beginnt Friesland- wo wir jetzt immer noch sind und bleiben werden für die meiste Zeit. Es gibt eine starke Konkurrenz hier zwischen Groningen und Friesland! Die Groninger wollen keine Friesen sein, so wenig wie die Saterländer Ostfriesen sein wollen, obwohl sie verdammt dicht dran wohnen!

Eine Herde Wildpferde am Ufer des Lauwersmeeres

Dann haben wir im Lauwersmeer gut eine Stunde herrlich gesegelt! So leise, so flott, wir haben sogar ein Plattbodenschiff abgehängt, obwohl wir nur mit Genua und ohne Großsegel segelten. Dann ging es ins Dokkumer Diep, ebenfalls früher ein Meeresarm wie das Reitdiep nach Groningen. Auch durch das Dokkumer Diep fuhren im Mittelalter und danach die vergleichsweise riesigen Kauffahrteischiffe und auch die militärische Marine! Wie die das gemacht haben ist mir schleierhaft!

Unter der Mühle von Dokkum festgemacht

Jetzt liegen wir an unserem Lieblingsplatz, an dem wir schon früher oft mit den Kindern an Bord gelegen haben (damals konnte man oben an der Mühle noch Würmer zum Angeln kaufen, heute sind unten Stromanschlüsse zugänglich. So ändern sich die Zeiten). Nach einem improvisierten Mittagessen aus Resten der letzten Tage gönnt Dorit sich ruhige Kajütmomente mit partiellem Augenschonen, während ich den Rest meines „Perlenbacher“ Radlers (Lidl-Qualitätsmarke!) von gestern Abend austrinke und mir gleich eine Pfeife stopfen werden, wenn diese Zeilen getippt sein werden. Eben hat auch mal kurz die Sonne rausgeguckt. Und nachher gehen wir gewiss mal Dokkum neu erkunden. Irgendwas ändert sich ja immer…. Nicht geändert hat sich, das sei akustisch schon mal vorweg vernommen, dass vom Kirchturm alle halbe Stunde ein kurzes Glockenspiel ertönt! Wie wunderbar… Vielleicht ist ja auch mal der Pfingstchoral „Nun bitten wir den Heilgen Geist…“ zu hören, den Dorit seit Antritt der Fahrt als Ohrwurm mitgenommen hat. Es gibt Schlimmeres, oder?

Unser Blick nach achtern

Log Teil II vom Abend /0730h:

Das Wetter hat sich voll zum besseren umgewandelt: während Dorit in Dokkum noch nach einem warmen Hoody suchte (und auch fand), ist es jetzt knackig warm in der Sonne geworden! Dokkum gefällt uns sehr, immer wieder.

Wer finden den Butt?

Deshalb werden wir morgen auch noch einen Tag hier verweilen. Es gibt hübsche Ecken, alle am Wasser, wo man gut sitzen, essen und trinken kann. Ich habe mir heute am Kanal einen „Bonifacius-Kaffee“ (wie bei uns der Pharisäer) und „Appelgebak mit Slagroom“ gegönnt.

Aprospos Bonifacius: der ist hier von heidnischen Friesen im Jahre 754 erschlagen worden! Deshalb ist Dokkum in der Kath. Kirche auch ein Wallfahrtsort. Als wir an der ev. St. Martinuskirche vorbeikamen, hörten wir beschwingtes Orgelspiel. Wir sind gleich rein und wurden überrascht von einem überwältigendem Orgelstück: der Organist kombinierte die Ukrainische Nationalhymne mit Motiven aus Beethovens 9. Sinfonie („Freude schöner Götterfunken“) und ließ allen Registern vollen Lauf. Vom pianissimo bis zum fortissimo erklang die Kirche! Einfach wunderbar! Ich habe einen kurzen Mitschnitt gemacht, den ich zu Youtube hochgeladen habe und hier verlinke:

Orgel in St. Martinuskerk Dokkum

Hier in Dokkum wird zum ersten Mal, nachdem wir wirklich schon Dutzende Brücken passiert haben, mit dem „Klompen“ (Holzschuh) an einer Angel Brückengeld kassiert. Das machen nur einzelne Gemeinden in touristischen Gebieten, alle andere Brücken sind kostenfrei. Und hier kosten die drei Dokkumer Brücken zusammen 5 Euro. Ein „Bonifacius-Kaffee“ ist teurer. Und das WLAN ist auch das beste, was wir bisher hatten. Ein weiterer Grund, noch einen Tag zu bleiben. Auch die Jugend ist hier auf dem Wasser sehr aktiv. Mehrere Schulklassen sind mit ihren Lehrern hier auf SUPs (Paddeln im Stehen, was ich selbst für eine beknackte Sportart halte, die einfach nur modisch ist) an uns vorbeigepaddelt -mit großen Spaß. Augenscheinlich halten die Schulen entsprechend viele SUP-Boards bereit. Wir sind eben in Holland….

So, genug geschrieben, ich hänge jetzt noch ein paar schöne Fotos an, die auf ihre Weise einen Eindruck vom schönen Dokkum vermitteln. Morgen dann mehr und übermorgen erst Recht, wenn es dann in die fries. Hauptstadt Leeuwarden geht!

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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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