Tag 21 Friesland 2022 (21.6.) WHV nach Fedderwardersiel

Kreatives Mittagessen aus Resten und ohne Zitronen vor Anker auf der Kaiserbalje, auf die Flut wartend.

So, liebe im Geiste Mitreisenden,

wir nähern uns in großen Schritten dem Heimathafen! Jedenfalls sind wir wieder in Revieren, wo ich jede Pricke persönlich kenne und die Möwen und Seehunde mich als alten Bekannten grüßen.

Seeschleuse WHV, immer erreichbar unter Seefunkkanal 13. Manchmal ziemlich nette Schleuser, manchmal (Be)Lehrer der Nation. Kaum zu glauben: Die Ritterhuder Schleuse geht schneller….

Was gibt es bisher zu berichten? Nun, ich habe in höflichem Funkverkehr mit einem durchaus verständlichen Schleusenbeamten eine Genehmigung bekommen, heute um 0900h die übliche Schleusung von binnen nach buten zu nutzen. Eine Schleusenkammer so groß wie ein Fußballfeld, und wären die die fünf holländischen Boote, die als Reisegruppe auch mit bei der MSW festgemacht hatten wie wir, wir wären uns ziemlich verloren in der riesigen Schleuse vorgekommen! Werner kennt das ja von vorletztem Jahr, aber da war ja noch ein Seehund mit uns durchgeschleust! Bei Bft 1-2, abnehmend 0 sind wir dann in die Kaiserbalje eingelaufen, etwas früh (liegt am Schleusentermin) und liegen hier nun zwei Stunden vor Anker und erwarten NW. Danach liegen wir noch mal zwei Stunden und warten auf so viel Flut, dass wir über das Wattenhoch rutschen. Absolut ruhig hier, traumhaft könnte man sagen.

Liegen im Watt, warten auf Wasser…

Wir sind das einzige Boot soweit man blicken kann. Haben auch alle Zeit der Welt, weil wir heute ja nur bis Fedderwardersiel wollen. Ist man erst mal übers Wattenhoch, dann ist das nur noch eine gute halbe Stunde entfernt.  Und natürlich Granat kaufen, ich hoffe, dass der Fischladen dann noch geöffnet hat. Sonst eben morgen früh (wobei ich dann erst mal schauen muss, wann wir wieder auslaufen müssen in Sache Tide….).

Für alle Leute, die immer noch glauben, sie bräuchten keinen Seefunk, weil man ja auch mit dem Handy in Not anrufen könnte. „Könnte“  ist hier der richtige Ausdruck, wenn man denn Netz hat. Hier, am Ankerplatz, ist das gerade so auf der Kippe. Die Bilder laden quälend langsam hoch bei einem Balken und deshalb kommen mehr auch erst heute Abend aus dem Hafen. Und zwischendurch hatten wir längere Zeit gar kein Netz. Funk aber geht immer, so lange, bis die Batterie im Wasser versinkt oder die Antenne als höchstes Teil zuletzt im Meer versinkt…. Dorit hat sich vorhin auch schon kundig gemacht, was sie denn am Funkgerät machen müsse, wenn ich hier mit Herzinfarkt zusammenbräche (der Konjunktiv ist mir hier wichtig, also das „ä“ und nicht etwa ein „e“, denn ich habe nicht vor, hier mit Herzinfarkt zusammenzubrechen!)

So, nun wisst Ihr, wo wir sind. Ich beobachte den Tiefenmesser (Echolot) und versuche darüber, den genauen Versatz zwischen Wassertiefe des Gebers im Boot und der tatsächlichen Wassertiefe unter Kiel (!) zu definieren. Man kann das an zwei Stellen einstellen, aber es ist irgendwie höhere Mathematik. Also hier die Methode „Ausprobieren und das Beste behalten“…. Bis später!

Und jetzt ist später! Um 0850h sind wir heute in WHV gestartet und um 1730h waren wir  – just noch rechtzeitig für den Fischladen –  in Fettsiel!

Die Wattenfahrt über die Kaiserbalje war spektakulär gut! Zunächst haben sie zwei neue Tonnen ausgelegt im ersten Teil der Kaiserbalje: auf K2, K4 und K6 folgen jetzt noch K8 und K10. In der Karte, auch beim Update, sucht man sie vergebens. Dazu später noch mehr. Wir haben dann am Ende des Priels, zwei Stunden vor NW Anker geworfen und die Tiefe genau getroffen! Als NW eintrat kratzte unser Kiel leicht am Grund. Schräglage vermieden, Comfort an Bord gewahrt. Nach Essen und Tipperei 1 gab es dann ein gepflegtes Nickerchen.

Nickerchen beim Warten aufs Wasser

Und als wir dann 1,5m Meter auf dem Echolot ablasen, sind wir gestartet. Zum allerersten Mal wollte ich durchfahren, ohne wieder und wieder festzukommen. Habe ja meinen Lieblingsankerwerfer (ancorman) Werner nicht dabei! Um es vorwegzunehmen, es hat nicht geklappt. Aber fast! Doch das Wattenhoch der Kaiserbalje ist erst ganz am Ende derselben, kurz vor dem Fedderwarder Priel. Und da hat es uns dann doch noch zweimal erwischt. Aber mit jeweils einer Viertelstunde „Bedenkzeit“ ging es dann auch weiter.

Fedderwardersiel – zum xten Mal, und immer wieder schön. Gleich nach uns legte der grüne Hanseat „Pinguin“ an, ein über 80jähriger Einhandsegler, der gerade von Neuwerk kam. Wir haben uns viel zu erzählen….

Im Fedderwarderpriel dann die Überraschung: das Fahrwasser wurde verlegt, und zwar kräftig! Mir war schon vorher aufgefallen, dass das Fahrgastschiff (an AIS erkennbar) sich nicht an das Fahrwasser hielt und scheinbar querfeldein fuhr!  Tat es aber nicht, wie sich herausstellte, denn es benutzte das neue Fahrwasser. Und ein Bagger ziemlicher Größe fährt hier immer hin und her und baggert weiter. Jedenfalls ist jede Karte trotz Update falsch und man darf hier im Beritt nicht mehr danach fahren, so sehr hat sich das Wattenfahrwasser verändert! Wie lange es wohl dauert, bis das (und die beiden neuen Tonnen K8 und K10) im Update auftauchen?!

Wir haben heute von WHV bis Fettsiel die ganze Halbinsel Butjadingen umfahren und dabei immer (!) den Kirchturm von Langwarden gesehen. Man sieht ihn von WHV bis BRHV. Und in der Langwarder Kirche gibt es sogar noch eine wertvolle Arp-Schnitger-Orgel! Die haben wir aber im Watt nicht gehört. Nur zwei Seehunde, die sich was vorjaulten. Dorit hat teilweise mitgejault….

Dorit erreichte den Fischladen noch rechtzeitig, aber es gibt diese Woche keine Krabben. Dafür hat sie was anderes Leckeres mitgebracht zum Abendbrot. WLAN läuft auch, wenn auch schwach. Tank aufgefüllt und der Anker wurde vom Schlick befreit. Sonniger Tag, Wind zwischen Bft 0-2,5. In „Böen“ Bft 3.

Morgen müssen wir früh raus (wir sind halt in Tidengewässern, ich liebe sie!) und so gegen 0600h ablegen. Zunächst ist dann Mittelpriel mit Ziel Großensiel geplant. Und übermorgen dann -ich muss mal sehen, ob das mit der Tide gut geht – dann als Ziel Heimathafen Ritterhude. Schaumermal…

Fedderwardersiel, der Hafen vom BYC (Butjadinger Yacht Club). Aber es liegen immer weniger Boote hier, dafür umso mehr Wohnmobile auf Stellplätzen. Schade…. Im Hintergrund sieht man übrigens die Ladebrücken-Skyline von Bremerhaven.
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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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