Tag 5 Friesland 22 (5.6.) Pfingsten-Ditzum-Delfzijl

Der Heilige Geist ist nah!

Erst mal Frohe Pfingsten! Wir wurden heute gegen 0600h durch Geschrei und tiefe Bässe im Diskostil geweckt. Wie sich herausstellte, sammelte sich die Landjugend mit Grill und Bier vor dem Siel und „glühte vor“. Um 0800h kam dann ein Bus, sammelte sie ein und brachte sie irgendwohin zu einer Riesen-Open-Air-Disco. Eine Sternfahrt für die Landjugend. Sternhagelvoll. Dann musste ich aufs Bordklo, während die Eignerin noch in der Koje lag. Über meinem Haupte das Rotlicht der Klobeleuchtung, fast wie ein Schein vom Heiligen Geist, der auf mich herniederkommt. Da beginnt die Eignerin doch tatsächlich in der Koje den Pfingstchoral zu singen: „Nun bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist…“ Da habe ich abgedrückt. Na ja, mit dem Auslöser der Handykamera… Pfingsten war und ist das Fest der Überraschungen, schon bei seiner Entstehung.

Bisher unser Lieblingscafè

Dann sind wir zum Frühstücksbüffet zu Opa Krino gegangen, zwei Minuten von hier, gleich neben dem Siel. Da waren wir schon letztes Jahr, übrigens am selben Tag, wie heute Facebook erinnert und mit Werner war ich auch schon vor zwei Jahren dort. Immer mit Corona, immer mit Maske. Heute nun mal ohne. Leider hat die Enkelin von Opa Krino verpachtet und die neue Chefin hat die Sache (noch) nicht im Griff. Dorit hat ihr ein paar Hinweise am Ende gegeben, die sie wohl auch angenommen hat. Berge von

Verpackungsmüll ohne Ende und ohne Behälter

Plastikverpackungen, hier fehlen Löffel, dort Eierbecher; das Rührei backt sich zu einer undefinierbaren Masse zusammen, die man vielleicht noch zum Kalfatern gebrauchen könnte. Der daneben liegende Speck gerät zu einer plastikartigen Masse im Dauerdünsten. Am Ende kostet es jeden von uns 15.50 Euro. Das war früher besser, viel besser. Auch die Deko. Sie verkaufen selbstgemachte Marmelade und bieten den Kunden Plastikportionen mit Nullachtfuffzehninhalt.

Also, Opa Krino gibt es noch, aber das Café hat nicht mehr den Flair früherer Jahre.

Geliebtes Ditzum hinterm Deich

Dafür ist und bleibt Ditzum ein wunderschöner Ort. Mein Lieblingsblick ist der von der Sielbrücke übers Binnensiel auf die schönen Gärten –  mit Kirche im Hintergrund.

Jetzt sind wir wieder an Bord, die Sonne trocknet die Persenning, die Eignerin löst Rätsel und ich schreibe Log. Das Wasser ist weg und wir warten, bis neues kommt. Gegen 1700h werden wir auslaufen Richtung Holland, genauer Delfzijl. Ich werde berichten. Jetzt muss ich erst mal das Großfall anbändseln, es nervt im Wind mit Klopperei (wer das kennt, der weiß, wie es nervt….). Bis später dann!

Soooo, gleich geht’s weiter…. es gibt viel zu berichten… Aber erst mal muss ich hier in Holland erst mal wieder irgendein WLAN ans Laufen bekommen….. bin gleich wieder online… hoffentlich….

So, es ist vollbracht! (Ja, der Ausspruch gehört zu Karfreitag und heute ist Pfingsten, aber es sind ja auch nicht alles Theologen, die hier lesen….)

Was ist vollbracht? Erstens haben wir es bis Holland geschaft. Dazu gleich mehr. Und zweitens haben wir es ins WLAN geschafft. Dazu gleich auch mehr, am besten fange ich damit an:

Wer eine Grenze überquert unterliegt dem Roaming. Früher ein finanzielles Problem, heute zum Glück nicht mehr. Das Handy schaltet sich automatisch um und man bekommt eine nette SMS geschickt. Beim WLAN mobil ist das leider nicht so. Und wir hängen hier mit allen Geräten an dem kleinen Huawei-Wunder. Und das darf plötzlich nicht mehr in Holland. Erst wollte ich Chi Jin Ping, den netten Onkel aus China anrufen. Hatte aber die Nummer nicht. Dann habe ich es mit diversen Anläufen alleine versucht, eine Freischaltung zu bewirken. Ist auch fast gelungen, aber nur fast. Dann entdeckte ich aber bei den verfügbaren WLANs, dass hier im Binnenschifferhafen von Delfzijl, wo wir festgemacht haben (totale Ruhe!!!) ein Binnenschiffer-WLAN (kostenlos für alle Binnenschiffer und die, die es werden wollen) läuft. Eingeloggt, registriert und schon läuft die Kiste. Jetzt werde ich erst mal jede Menge Daten schaufeln, vor allem die vielen kleinen Filme der ActionCam. Meine Datenrate ist nämlich schon ganz schön im Keller. Entweder mache ich Crowdfunding oder ich gönne mir ein Datenupdate. Jetzt habe ich aber das Binnenschiffer-WLAN! Genial!

Doch nun zur heutigen Tour. Sie führt uns von Ditzum nach Delfzijl, vorbei an Ostfrieslands Metropole Emden (Frage: Wie heißt die einzige deutsche Stadt, die nur aus einem Buchstaben besteht? Antwort: „M“……)

Wir haben uns den sonnigen Tag gut in Ditzum vertrieben. Da wir so dicht an der Kaje lagen, an der etliche Touris saßen oder liefen oder philosophierten, haben wir öfters Anlass zum Schmunzeln gehabt. Ein Pärchen sah zum ersten Mal Schlick, kam aus Hessen und wusste nichts von Tide.

Dicke Männer mit Schäferhunden teilen mit den Hunden ihr Eis.

Ein anderes Pärchen sinnierte darüber, warum unser Schiff denn wohl nicht umkippt, wenn das Wasser weg ist und mancherlei Philosophisches mehr.

Delfzijl voraus

 Der Wind kam mit im Schnitt Bft 3 aus Ost bis Nordost, also fast achterlich für unseren West-Törn nach Delfzijl. Deshalb sind wir auch schon anderthalb Stunden vor HW

Blitzschleusung Delfzijl

losgefahren, also etwas gegen die Tide. Aber es blies steif von achtern ein pfingstlicher Starkwind, der uns zügig gen Holland schob. Die Sonne war längst verschwunden und ein paar Tröpfen kündeten von sich nahendem Schlechtwetter. Wir schafften es aber noch regenfrei bis durch die Seeschleuse Delfzijl.  Und hier ein Lob auf den UKW-Seefunk: ein kurzer Anruf auf Kanal 26 und schon gingen die Lichter von rot auf grün! Wir waren in fünf Minuten „binnen“ inklusive Heben und Senken von zwei Straßenbrücken! Das gibt es in Deutschland selten, aber es soll vorkommen. Dann kam der Hammer! Der Schleuser fragte mich, wie hoch denn mein Mast sei. Auf meinen Hinweis, dass ich ja die Stehende-Mast-Route durch Groningen nehmen wollte, rückte er mit dem Hintergrund seiner Anfrage raus:

Die Driebondsbrücke vor Groningen ist defekt und kann das ganze Jahr über nicht geöffnet werden! Wer nach Groningen oder weiter will, muss außenrum übers Watt und übers Lauwersmeer segeln! Und wir hatten uns schon gewundert, dass keine Boote zu sehen waren weit und breit. Da hat er sich wohl über einen gefreut, der tatsächlich mal reinschleusen wollte. Ganz Groningen ist jetzt ohne Sportboote, sonst tummeln sie sich dort! Den Sporthäfen fehlen die Einnahmen. Aber für uns kein Problem:

Die Driebondsbrücke ist im geschlossenen (!) Zustand 6,80m hoch! Da dippen wir nur kurz mit dem Jüttbaum den Mast an und schon sind wir unterdurch!

Wohl dem, der „mal eben“ seinen Mast legen kann! Da werden wir wohl sehr bewundert werden in Groningen und die Brückenwächter werden vielleicht nur für uns ihren Dienst tun. Wow…

So, und jetzt schaue ich mal nach, ob in der meiner Cloud schon die Fotos angekommen sind, die ich hier noch posten wollte…. Moment…..

Fotos später… hier läuft was nicht….

Es pieselt jetzt nämlich so vor sich hin und wir sind froh, nicht mit der Jolle unterwegs zu sein. So einen ruhigen Hafen hatten wir noch nie und dann auch noch mit Binnenschiffer-WLAN. Ich stopfe mir erst mal ne Pfeife, versuche dann an die Fotos zu kommen und auch Peters Problem mit der Freigabe seines Grußwortes zu erledigen. Eins nach dem anderen….

Alleine im Farmsumer Binnenschiffhafen. Mit WLAN.
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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

2 Kommentare

  1. Moin Holger,

    nun weiß ich endlich, wie der Geist zu Pfingsten in einem Körper wohnt. Ein herrliches Foto. Die Pfingst-Theologie muss neu geschrieben werden.
    Euch ein schönes und gesegnetes Pfingstfest 🔥2022.

    LG, auch von Angelika,

    Diethelm🙋‍♂️

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