Tag 7 Friesland 22 (7.6.) Groningen Oosthaven

Regenpausentag mit Tropfenfalle

Das war gestern noch eine feuchte Sache: der Dauerregen hatte seinen Namen wirklich verdient und an zwei Stellen leckte es tatsächlich durchs Kajütdach, das meiste direkt am Mastfuß (es sammelte sich dann auf dem Tisch) und ein kleiner Rest lief unter der Deckenverkleidung längs und tropfte langsam aber beharrlich beim Kajütfenster nach unten aufs Polster meiner Koje. Nasspunkt 1 haben wir mit Handtüchern bekämpft, Nasspunkt 2 mit einer Eigenkonstruktion aus einer ehemaligen Spiritusflasche.

Leckagebekämpfung vom Feinsten

Heute nun regnet es nicht mehr, windet aber noch. Wir haben sehr gut geschlafen und morgens dann Peter und Elfriede von den Hanseaten begrüßt, die mit ihrem großen Motorboot gegenüber liegen und acht Wochen in Holland unterwegs sein wollen.

Und wir sind in die Stadt Groningen hineingelaufen, zum Markt. Ich selbst habe mich dabei spontan in einen Automatik-Supermarkt verirrt und vor  Begeisterung mehr gekauft, als die Eignerin gut fand – zudem auch noch das Falsche, das ich mir dann auch auch (Schande auf mein Haupt!) in eine Plastiktüte mangels anderen Behältnisses für 50 Cent habe einpacken lassen! In China wäre mein Sozialindex dadurch massiv abgestürzt! Ich verspreche, mich zu bessern, kann aber für nichts garantieren. Tiefer kann man nicht stürzen, als abgepackten Käse zu kaufen, wo es gefühlt alle 100m einen „richtigen“ Käseladen gibt! Ich gestehe: Männertouren sind irgendwie in solchen Angelegenheiten einfacher, wenn auch mitunter die Zitronen fehlen….

Zweites Frühstück mit Croissants, Ostfriesentee und anschließender Pfeife

Danach haben wir uns ein zweites Frühstück mit Croissants gegönnt und mit echter Butter (mein Gott, was hat Butter bloß wieder für einen grausig schlechten ökologischen Fußabdruck, ich hätte es besser nicht erwähnen sollen….) und jetzt kommt die Pfeife zum Zuge. Dann mache ich mich mal schlau, wo die nächste Bootstankstelle an der Route liegt. Nicht, dass mir der Diesel ausginge, aber ich möchte doch mal nachtanken, um den konkreten und bisher noch geschätzen Verbrauch auszurechnen. Wenigstens einmal….

Bericht Teil 2

Butt im Oosterhaven Groningen
Allerhand los, aber keine großen Segler, weil Brücke kaputt.
Mitten in der Stadt gelegen
Wochenmarkt in Groningen
Obst und Gemüse sehr günstig
Und bitte auch noch Erdbeeren…

Jetzt ist es fünf Uhr und wir sind zum zweiten Mal über den Groninger Wochenmarkt getigert und habe das Leckere und „Richtige“ eingekauft, von aardbeien bis lekker vis. Außerdem haben Peter („Pucki“) und Elfriede uns für 1900h zu sich an Bord zu einem Glase Wein eingeladen.  Peter und Elfriede hatten mal eine Tankstelle in Pusdorf. Ihr Sohn und unser Ältester haben zusammen Schwimmen gelernt. Daher kennen wir uns und vom Segelverein. Peter war Kassenwart, ich Jugendwart. So trifft man sich wieder. Da freuen wir uns drauf. Vorhin parkte neben uns ein eisernes Motorboot aus Ostfriesland ein, das uns gleich wieder so bekannt vorkam. Wir hatten uns letztes Jahr in Ditzum kennengelernt und Dorit wusste noch die halbe Familiengeschichte von den vielen Brüdern, die alle ein tolles und jeweils anderes Handwerk beherrschten und zusammen dieses Boot so perfekt überholt hatten. Nun hat der Zufall uns wieder zu Nachbarn im Hafen gemacht und wir lernen auch noch Teil 2 der Familiengeschichte kennen. Derzeit sind seine Eltern gerade zu Besuch an Bord, man spricht ostfriesisch Platt und trinkt nach alter Sitte Ostfriesentee, danach Ostfriesenbier.

Hier hat das Wetter sich aufgeklart, es ist auch wärmer geworden, was gestern nass war ist jetzt wieder trocken. Damit kann man gut leben, finden wir. Das Einzige, was mir jetzt noch fehlt, ist die schlüssige Antwort auf eine Frage, die mich schon seit langem quält: Warum schneiden oder reißen sich so viele junge Frauen die teuren Jeans in Höhe der Knie kaputt und laufen damit rum als einem Look aus einem Slum bei Kapstadt? Ich hörte sogar, dass neue Jeans mit solchen Rissen drin sogar noch teurer seinen als ganz „normale“ ohne!? Mein Weltbild muss da passen. Ich hätte früher welche an die Löffel bekommen von meinen Eltern, wenn ich mit einer solchen Hose draußen erwischt worden wäre. Aber wer weiß, was sich dahinter verbirgt und sich mir bis heute noch verschließt. Hier in Groningen laufen – gefühlt – noch mal doppelt so viele Meisjes mit solchen Hosen rum…

Ansonsten ist der Fahrradaerkehr irre. Halb mit Akku, halb ohne. Und eine große Fraktion von Rollerfahrern gibt es auch. Die brezeln auch über die Fahrradstreifen, keiner mit Helm, alle mit irrwitzigem Tempo. Man muss höllisch aufpassen in der City. Jetzt zum Abend hin kommt sogar noch mal die Sonne raus.

Ach so – was mich auch noch wundert: Ich habe diverse „Koffie-Shops“ gesehen, aber nicht einen einzigen Tabakladen, der mal was für normale Pfeifenraucher im Angebot hätte. Und Dorit hat vergeblich nach Briefmarken gesucht. So hat jeder sein Päckchen zu tragen…. Hauptsache, es kommt nicht noch schlimmer….

Bis morgen dann (wenn Ihr bis hier durchgehalten haben solltet)!

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Kategorisiert in Logbuch

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

2 Kommentare

  1. Hallo Holger,
    immer wieder schön mit Euch auf Reise zu gehen. 🙂 Wünsche Euch noch eine tolle Zeit, hoffentlich bei perfektem Wetter.
    Bis dahin und Gruß
    Markus

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