Zwischenruf: Mastlegen- Warum und wie???

Mastlegen ist immer ein Thema, wenn man seinen Verein hinter Schleusen und Brücken hat oder durch einen Kanal quer durchs Land will.

Mastlegen ist kein Thema, wenn man seinen Hafen unterhalb der letzten Brücke an einem breiten Strom hat, der langsam ins Meer mündet.

Als ich all die Jahrzehnte in Hasenbüren lag, war Mastlegen im Prinzip kein Problem. Wir hatten einen Mastenkran an der Anlage, der wurde nach dem Abslippen im Frühjahr genutzt, den Mast zu stellen und im Herbst dann andersherum. Allerdings wollten dann immer alle Eigner zur selben Zeite ihre Masten stellen und den Kran damit belegen. Richtige Probleme aber gab es, wenn man nicht nur den freien Seeraum besegeln wollte, sondern auch mal, aus Lust oder Unwetterzwang, einen Kanal nutzen wollte oder musste. Dann war guter Rat und vor allem naher Mastenkran teuer!

Deshalb war es mir immer ein Anliegen, nach Altvätersitte (als es noch keine Mastenkräne in den Vereinen gab und jeder seinen Mast selber stellen musste!) mastmäßig flexibel zu sein. Das heißt: Mit überschaubaremen Risiko (technisch) und in flotter Zeit (Minuten, nicht Stunden) und zumutbarem Krafteinsatz den Mast selbst  legen und stellen zu können.

Technisch ist das kein Kunststück, es reicht das einfache Hebelgesetz und seine Anwendung. Je „fluffiger“ das aber nachher funktionieren soll, desto mehr muss in die Feinheiten der Technik cerebral wie pekuniär investiert werden.

Technisch muss man sich näher dem „Toten Mann“ oder auch „Jüt(t)baum“ befassen.

Der ist -physikalisch betrachtet – der Hebelarm, mit dem wir den langen Hebel, den Mast, bewegen. Da der Tote Mann in der Regel kürzer ist als der Mast, fallen dort stärkere Kräfte an, die man mittels einer Talje aufbringt. Also ein Flaschenzug. Je mehr Rollen, desto mehr Kraftersparnis, aber mehr Tauwerk (ich kaufe auch nach genauester Berechnung immer wieder einen Meter zu kurz, weil ich zu geizig bin und ärgere mich dann, wenn ich aus schönstem Schot-Tauwerk Festmacher schneiden muss!). Es gilt physikalisch: Je länger der Tote Mann, desto weniger Kraft und je kürzer, eben umgekehrt.

Manche (Todesmutige) verwenden einfach ihren Spinnackerbaum als Toten Mann. Wer aber mal gesehen hat, wie beim Maststellen ein solcher „Baum“ den Abgang (zur Seite) gemacht hat oder einfach zerbrochen ist und wie dann der Mast bestenfalls nur auf das Kajütdach und nicht auf das Hirn eines Helfers niederkrachte, der bekommt davon Albträume! Wer also eine einzige „Stange“ /Rohr/ Baum zum Maststellen verwendet, der muss diese Stange zu beiden Seiten hin stabil abspannen, und zwar – jetzt wird es technisch aufwändiger – im selben Drehradius wie den Baum. Denn sonst wird’s locker oder stramm. Je nach Fehlkonstruktion.

Vorteil des Toten Mannes ist zugleich sein Nachteil: Er ist gut zu teilen und wegzustauen und ist dann nicht mehr im Weg. Nachteil: Man muss ihn erst rauskramen, zusammenbauen, anstecken (ohne dass dabei schon der Mast umfällt), bis er einsatzklar ist.

Meine Lösung daher: die Jüttgabel.

Von oben gut zu erkennen: die der Rumpfform angepasste Jütgabel

Ein V. Entweder gerade (billiger und auch selbst zu bauen) oder der Rumpfform angepasst gebogen (wie bei uns, muss aber ein guter Schlosser mit Muster und Biegemaschine machen). Die Gabel bleibt immer liegen, ist im optimalen Fall sogar immer angeschäkel an das Vorstag und es muss im Mastlegefall nur ein zusätzlicher Sicherungsbolzen gezogen werden, und der Mast kommt sicher runter. Das V kann nicht wegflutschen wie der Stangen-Tote-Mann. Es stabilisiert sich selbst.  Gut geformt liegt es Deck und stört wenig. Manchmal, wie auch bei uns, ist es aber doch eine kleine Einschränkung, indem man immer mal drauftritt -was aber dem Teil nichts ausmacht, nur einem selbst.

Ganz wichtig: Der Drehpunkt der Hauptwanten!

Hier sind die höhergelegten Oberwanten gut zu erkennen und der stabile Mastfuß.

Der Mast muss, wenn er gelegt werden soll, einen Drehpunkt haben. Im schlechteren Fall liegt der auf Deck, wenige Zentimeter drüber im Mastschuh. Wenn er liegt kann er dann nicht weit genug runtergelassen werden, weil er ans Kajütdacht stößt. Und dann ist die Fuhre ganz hinten beim Verklicker immer noch zu hoch für die Kanalbrücken. Also besser ist stabiler Mastfuß! Drehpunkt kommt viel höher, Mast legt sich auch übers Kajütdach. Aber auch der Drehpunkt liegt dann viel höher als der Drehpunkt der Oberwanten (die bis zum Masttopp hinaufreichen und ihn beim Legen und Stellen stabilisieren müssen). Legt man dann den Mast, werden die Wanten locker und  der Mast kann – durch Wind oder Wellengang –  zu schwanken beginnen horizontal. Dann kommt viel Druck auf den Mastfuß, denn es ist ein riesiger Hebel! Das vermeidet man, indem man den Drehpunkt des Hauptwants höher legt, und zwar genau auf die Höhe des Mastdrehpunktes. Dann bleibt alles immer stramm.

So weit die Technik. Aber es gibt immer noch Sachen, die zu bedenken oder zu verbessern sind:

Wenn der Mast schließlich liegt, ragt der V-förmige Jütbaum senkrecht nach oben. Zwar bei weitem nicht so hoch wie der Mast selbst, aber für manche Brücken schon zu hoch. Da kann man bei uns mit einem Klappnasenbolzen noch den Jütbaum vom Vorstag trennen und einfach nach unten aufs Vorschiff legen. Das reduziert, konkret gesprochen, unsere Brückenhöhe von 3,30m auf 2,20m -was schon ein gewaltiger Unterschied ist! Nahe Hochwasser käme ich sonst nicht durch die Ritterhuder Schleuse und die Lesumbrücken und gestern, in Emden, wäre ich auch nicht unter einigen Brücken zwischen den Schleusen durchgekommen. Aber: Ein Handgriff und schon geht das! Klappnasenbolzen heißt das Stichwort. Nicht billig, aber sinnvoll, weil man kein Werkzeug braucht.

Ebenso sinnvoll sind  „Schwanenhälse“ an den vorderen Unterwanten.

Die vorderen Unterwanten sichern ja den Mast bis in Salingshöhe gegen Umfallen nach hinten. Sie müssen also gelöste werden, wenn der Mast „kippen“ soll. Aber jedesmal mit Werkzeug dabei hantieren führt zu Werkzeugverlusten über Wasser und nervt. Ein Schwanenhals ist eine geniale Lösung für dieses Problem und er möglich Lösen/Befestigen binnen Sekunden und ohne Werkzeug. Google kann Euch erzählen, was genau ein Schwanenhals ist. Muss ich hier nicht umständlich tun.

Jetzt zu den Feinheiten, bzw. zum Komfort:

Die Talje zwischen Deck und Jütbaum muss – wie oben erwähnt – ziemliche Kräfte übertragen und leichter hantierbar machen. Da soll man nicht an der Qualität der Blöcke sparen! Je älter man wird, desto mehr ist man auf Krafterleichterung angewiesen. Ich stelle meinen Mast ganz alleine, weil ich Vierfachblöcke verwende und zusätzlich solche mit Kugellagern! Und eine 10mm Schot, die gut zu den Händen ist. Jede Rolle mehr macht die Arbeit einfacher und der Unterschied zwischen Blöcken mit Gleitlager und Kugellager ist sofort spürbar.  Ganz coole Segler haben schon mit einer 12V-Autowinde sich einen motorisch betätigten Jütbaum gebaut! Das musste ich bisher noch nicht, weil die Muckis dank o.g. Hilfsmittel noch reichten. Aber es wäre eine Lösung, die natürlich attraktiv wäre, wenn sie denn technisch gut ausgeführt ist. Die Winde ruckt nämlich gewaltig an der Kraft und wenn dann irgendwo ein Want oder Seil hakt, dann reißt sie alles kaputt. Es muss also eine Art Sicherungsbremse verfügbar sein und die habe ich noch bei keiner China-Seilwinde entdecken können.

So, das waren meine Gedanken zum autonomen Maststellen und – legen.

In diesem Jahr hat es etliche Segler auf der „Stehenden Mast Route“ bei Groningen erwischt, weil die Driebondbrücke wegen angeblichen Softwarefehlers für die ganze Saison plötzlich ausfiel. Eine Autobahnbrücke, die man nicht mal so eben offenstehen lassen kann, ohne für ein Verkehrschaos zu sorgen. Etliche Segler mussten umkehren und über die freie See ins Lauwersmeer segeln. Ein riesiger und oft gefährlicher Umweg! Wer aber seinen Mast legen konnte, der tat das und kam weiter! So wie wir! Bei Hin- und Rückweg kein Problem! Und letztes Jahr war das bei der Eisenbahnbrücke über die Schlei so und Dutzende dänische Segler, die in Schleswig lagen, kamen nicht  mehr nach Hause. Die Werften in Schleswig hatten dann viel mit Mastlegen zu tun, ein teurer Spaß, aber letzte Lösung, wenn der Urlaub endet. Und dieses Jahr die Eisenbahnbrücke in Oldenburg. Auch kaputt. Nur mit gelegtem Mast passierbar mit 2,90 bei HW. Wir passten mit Jütbaum 2h vor HW locker durch….  Das sind die Gründe…. hier einmal hoffentlich volkstümnlich genug erklärt…. Mein Wort zum Sonntag!

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Kategorisiert in Technik

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

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