Tag 19 Friesland 2022 (19.6.) Kukelorum bis Aurich

Jau, das war die kürzteste aller Tagestouren! 1 Schleuse und zwei Brücken, dicht hintereinander. Zusammen vielleicht 2-3 Kilometer. Jetzt liegen wir in Aurich, in derselben Box wie mit dem alten Jollenkreuzer Butt vor 2 Jahren.

Unser Liegeplatz in Aurich

Dorit hat gesagt: Jetzt hör mal auf mit Schimpfen! Und sie meinte meine (berechtigte) Kritik an der deutschen Wasserwirtschaft. Und tatsächlich: heute lief es absolut nett und glatt! Wie sagte der junge Schleuser (Vertreter seines Vaters, des Hauptschleusers) so passend: „In dieser Ecke hier lief schon immer alles besser als in Emden!“ Ein toller Typ, Kind eines Schleusers mit Schleusergenen durch und durch. Aufgewachsen am Kanal im Schleuserhaus an der von uns gestern passierten und heute fernbedienten „Verbindungsschleuse“ in „M“, dann umgezogen nach Kukelorum und Schleuserkind in dem dortigen Schleuserhaus. Da ist klar, was daraus werden würde. Und heute um punkt 0800h mit Dienstbeginn tat er uns seine Schleuse auf, zumal mit netten Worten und kassierte 36 Euro für 6 Schleusen als Kanalgebühr. Was mich wiederum ärgerte, denn ich hätte für 3 Euro den Kanal befahren können. Grund: Unser ESV ist Mitglied im DMYV (Deutscher Motor Yacht Verband) und selbiger übernimmt die Schleusenkosten, wenn man für 3 Euro einen Wimpel bei denen kauft. Danach hatte ich vor einem  halben Jahr beim DMYV angefragt, bekam auch eine Antwort, man wüsste nichts Konkretes. Das „Konkrete“ hat sich dann wohl später eingestellt, mir aber nicht mitgeteilt. Also jetzt 36 Euro. Elisabethfehnkanal ist gratis. Wer also „billig“ durch Ostfriesland will, muss sich entscheiden. Wir haben uns entschieden: zweimal denselben Weg – das ist langweilig. Und wenn wir in WHV rauskommen, dann können wir noch ein Stück Watt und Segelei genießen und eine Stippvisite in Fettsiel einlegen. Und ich den Küstenkanal und die Hunte, echt langweilige Gewässer! Aber ich soll ja nicht mehr so viel meckern, sagt die Eignerin….

Aber eines doch noch: Aurich hat sich vor ein paar Jahren einen schicken „Passantenhaven“ zugelegt, sogar mit Strom, Wasser in etwas Entfernung. Aber hier wird nichts gepflegt, wie es sein müsste. Alle Stege „wachsen“, kleine Pflanzen, Moos, bei Regen glitschig. Die Stromkästen sind nicht mehr durchgängig Blau, sondern moosig begrünt. Hier fehlt die liebevolle Zuwendung mittels Kärcher!

Wasserballtor -etwas schwach befestigt – lädt zum Spielen ein!

Und ein Wasserballtor aufzuhängen ist eine coole Idee (Dorit und ich werden vielleicht gleich mal ein Spielchen wagen), aber die dicken Balken nur mit Draht am Poller festzurödeln ist doch etwas gefährlich auf die Dauer. So, genug des Tadels, immerhin gibt es diesen Hafen für uns. Damit er aber zukünftig noch beliebt bleibt, sollte er besser gepflegt werden (ich bin wahrlich kein Putzer vom Dienst!). Immerhin hat die Stadt Aurich ein formidables WLAN eingerichtet, das super funtioniert! Großes Lob!

Wir werden heute in Aurich bleiben und schön Kaffeesieren gehen. Der Tag begann mit Regen, als wir noch in der Koje lagen. Der Regen war vorüber, als der Jungschleuser seinen Dienst pünktlich antrat. Jetzt ist es bedeckt, es ist keine Sonne zu sehen, nachher soll es wieder regnen. Aber ich habe ja noch die Flasche Rum in der  Backskiste, die den Tee dann regensicher aufwerten kann. Klunnies sind eh genug an Bord. Dorits Ostfriesentee hat zwar noch nicht die Farbe, Stärke und Wachkraft von Werners Teezubereitung erreicht, nähert sich aber allmählich an. Alles andere ist nämlich kein Tee, sondern wie die Franzosen es nennen, eine „Infusion“. Die hilft nur der Blase, sonst niemandem….

Also, bleibt munter, genießt den Sonntag, und wir lesen uns wieder….

Euer nicht mehr so anti-Behörden-kratzbürstige „Kommodore“  Holger

Der Kommodore beim Logbuchschreiben in Aurich- mit Tee und Sonntagmorgenpfeife

 

Teil 2 = Positiver Nachtrag, nicht nur auf Wunsch der Eignerin

Ich soll es schreiben und ich will es schreiben:

Der Hafenmeister, der neben den wenigen Liegeplätzen vor allem Tretboote, Kanus und Elektroboote sowie einen fahrbaren Schwan vermietet (falls man mal Richard Wagners „Lohengrin“ auf dem Kanal nachstellen will), ist prächtig! Dass wir nur eine Nacht bleiben wollen bewegt sein Herz in der Weise, dass er uns dafür kein Liegegeld in Rechnung stellen will. Nur pro Person 2 Euro Servicegeld für Wasser, Klo, Dusche. Und für 2x 50 Cent haben wir bisher Strom zapfen können. Total preiswert also hier.  Und das Waschhaus ist ganz neu und vom Feinsten! Nicht nur die Klos und Duschen, auch gibt es Waschmaschine und Trockner, beide für je 2 Euro zu nutzen. So billig war es noch nirgends! Leute, fahrt mal nach Aurich!

Das ist auch ansonsten schön. Wir sind eben durch die Innenstadt gepilgert und habe lecker gespeist. Die Staatsanwaltschaft baut gerade an (sehr hübsch) und das Finanzamt ist direkt am Hafen, gleich neben dem Hospiz. Vermutlich bekommt auch genau in dieser Reihenfolge mit beiden zu tun.

Neben uns liegt ein fahrbares Hausboot, ein echter Klotz und hinten dran ein 15 PS Außenborder. Ringsum Kameras und ein fettes Bugstrahlruder, damit man das Gerät überhaupt manövrieren kann. Eben bekamen wir die Einweisung einer bayrischen Frührentnergruppe von der Dauer einer Stunde mit samt Probefahrt. War gut gemacht und passabel gefahren. Aber bei Seitenwind muss die Abdrift groß und bei Gegenwind die Geschwindigkeit gering sein. Gestern haben wir das Gerät schon überholt, irgendwo zwischen Emden und Aurich. Aber zum Entschleunigen gibt es sicher nichts Besseres. Eine Woche in der Hauptsaison freilich 1800 Euro-  plus Sprit.Aber durch 3 oder 4 oder 5 geteilt wird das ja auch tragbar. „Ochtelbur“ heißt das Kahn-Haus, benannt nach einem Ortsteil von Ihlow, das hier ganz in der Nähe liegt.

Mein Werbespruch (aber mich fragt ja keiner) für den Ochtelbur-Prospekt wäre entsprechend dann auch:

„Statt Einweisung und Nervenkur fahr lieber mit der „Ochtelbur“!

Hier kommst du mit den Nerven runter und hältst den Rest der Welt schön munter.

In jeder Schleuse bist du King, denn keiner traut dem Riesending.

Fröhnst Du indes dem Alkohol, dann fühlst Du Dich besonders wohl:

Bannig Sprit ist überall, der bringt Dich schnell in Überschall!

Statt Einweisung und Nervenkur fahr lieber mit der „Ochtelbur“!“

 

Von Kommodore

Segler seit 1965. Bevorzugt im Wattenmeer unterwegs. 30 Jahre Jugendwart mit Aufbau einer Zugvogel-Flotte und jährlich mehreren Touren von Fedderwardersiel bis zum Ijsselmeer. Seitdem auch als Ausbilder tätig, früher für Jugendliche, heute für Erwachsene. Sportbootführerscheine und Seefunkzeugnisse. Als Funkamateur natürlich auch mit Kurzwelle an Bord vom "Butt", beliebteste Betriebsart ist immer noch die Morsetelegrafie.

2 Kommentare

  1. Moin! Mussten die Mettenden schon dran glauben? Oder ist das die „Eiserene Ration“? Liebe Grüße an Euch aus der Heimat!

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